BenQ-Mobile streicht 1950 Stellen
BenQ-Verwalter gibt Siemens Mitschuld

Die 1950 BenQ-Mobile-Mitarbeiter, die nun ihre Jobs verlieren, haben das nicht verdient, finden Gewerkschaften und Politiker und fordern mehr Engagement vom ehemaligen Besitzer Siemens. Sie sehen sich vom Insolvenzverwalter bestätigt, der Seitenhiebe in Richtung des deutschen Konzerns austeilt.

HB MÜNCHEN. Bei dem insolventen deutschen Handy-Hersteller BenQ Mobile verlieren fast zwei Drittel der 3 000 Mitarbeiter ihre Jobs. BenQ-Insolvenzverwalter Martin Prager verkündete den Abbau von 1 950 Stellen am Donnerstag auf einer Belegschaftsversammlung des Unternehmens. In den Bereichen Fertigung und Verwaltung sollen sogar drei Viertel aller Arbeitsplätze wegfallen. Lediglich der Bereich Forschung und Entwicklung werde von dem Stellenabbau weitgehend geschont. Hier würden über 500 von 700 Jobs erhalten.

Prager machte indirekt auch das frühere Siemens-Management für die Pleite mitverantwortlich. BenQ sei von seinen Altlasten, dem Restrukturierungsaufwand und seiner komplexen Konzernstruktur erdrückt worden, erklärte der Insolvenzverwalter. „In dieser Hinsicht ist den BenQ-Mitarbeitern nichts vorzuwerfen“, betonte auch Benq-Deutschland-Chef Clemens Joos. „Im Gegenteil sie haben einen sehr guten Job gemacht.“

Die IG Metall fordert von Siemens ein 200- Millionen-Euro-Nothilfeprogramm für die Beschäftigten des insolventen Mobilfunkherstellers BenQ. Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber sagte am Donnerstag, Siemens stehe in der Verantwortung für seine frühere Handy-Sparte. Die IG Metall will allen Betroffenen aus Mitteln des geforderten Programms eine mindestens einjährige Qualifizierung und Vermittlung in neue Arbeit ermöglichen. Außerdem soll mit den Geldern eine solide Fortführung der BenQ-Standorte in München und Kamp-Lintfort gesichert werden.

Ansprüche gegen Siemens will die IG Metall auch auf rechtlichem Wege durchsetzen. Die Gewerkschaft kündigte an, sie werde Mitgliedern rechtlichen Beistand leisten, die mit Musterverfahren ihren Widerspruch zum Betriebsübergang von Siemens auf BenQ durchsetzen wollten.

Auch die Länder Bayern und Nordrhein-Westfalen haben von Siemens mehr Geld für eine Auffanggesellschaft gefordert. „Nach unserer festen Überzeugung müssen sich Siemens und BenQ bei der finanziellen Ausstattung der Transfergesellschaft intensiver als bisher engagieren“, teilten die Arbeitsminister Christa Stewens und Karl-Josef Laumann in einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag in München und Düsseldorf mit. Die Mitarbeiter müssten durch Fortbildung neue Perspektiven bekommen. Bayern und NRW würden zwar, „wenn nötig, die Hälfte der hierfür anfallenden Kosten übernehmen... Für eklatante Fehler muss ein Unternehmen aber selbst gerade stehen.

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