Beteiligung
Russische Regierung greift nach Infineon

Mit moderner Technologie will Russland unabhängiger von seinen Rohstoffen werden - und investiert darum in deutsche Unternehmen. Nach der Opel-Übernahme durch den Autozulieferer Magna plant die russische Regierung nun einen Einstieg beim Chiphersteller Infineon.

MOSKAU/MÜNCHEN. Die russische Regierung verstärkt ihre Bemühungen um den Münchener Chiphersteller Infineon. In Berliner Regierungskreisen hieß es gestern, seit 14 Tagen gebe es Gespräche zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und der russischen Seite, die vom Technologiekonzern Sistema beraten wird.

Sistema-Chef Leonid Melamed sagte gestern, die russische Regierung wolle bei Infineon einsteigen. Der Manager nannte aber keine Details. Sistema sei eingeladen worden, in dem Projekt mitzumachen – aber nur als „industrieller Experte“, so Melamed. Sistema plane derzeit nicht, sich selbst zu beteiligen. Die Kontakte seien zudem in einem sehr frühen Stadium. „Es gab und gibt immer wieder Gespräche mit Sistema“, bestätigte ein Infineon-Sprecher. Allerdings gebe es bislang keine Ergebnisse.

Unklar ist, wie sich die Russen an Europas zweitgrößtem Chiphersteller beteiligen wollen. Infineon hat seine Finanzierung durch eine Kapitalerhöhung sowie den Verkauf einer Sparte gerade erst abgeschlossen. In Berlin hieß es gestern, die russische Seite könnte für Kredite bürgen.

Die Pläne der Russen passen politisch gut ins Bild: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem jüngsten Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew ein breites Spektrum wirtschaftlicher Kooperationen besprochen, darunter in der Halbleiterindustrie. Die Bundesregierung hatte sich zudem für den russischen Einstieg beim Autobauer Opel starkgemacht. Russland braucht, um aus seiner Abhängigkeit von Rohstoffexporten loszukommen, moderne Technologien.

Sistema hatte erstmals vor anderthalb Jahren einen Blick auf Infineon geworfen, der damalige Chef Alexander Gontscharuk hatte aber eine komplette Übernahme ausgeschlossen und vor allem Interesse an den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Deutschen gezeigt.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Joachim Hofer
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Handelsblatt / Korrespondent München
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