Beteiligungsverkauf
Siemens trennt sich komplett von Infineon

Der Technologiekonzern Siemens stößt nun auch den Rest seiner Beteiligung an der ehemaligen Tochter Infineon ab. Mit dem Verkauf des Chiphersteller-Anteils könnten die Münchener einen Milliardenbetrag einnehmen.

HB MÜNCHEN/LONDON. Die Investmentbank Goldman Sachs teilte am Donnerstag in London mit, sie platziere 136,3 Millionen Infineon-Aktien im Auftrag von Siemens. Das entspricht exakt dem Anteil von 18,23 Prozent, den Siemens noch an der ehemaligen Halbleiter-Tochter hält. „Wir können das bestätigen“, sagte ein Siemens-Sprecher unter Berufung auf den scheidenden Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger. Gründe für den im Zeitpunkt überraschenden Schritt nannte er nicht. Bei einem Verkaufspreis nahe dem Schlusskurs der Infineon-Aktie von 8,93 Euro könnte Siemens mehr als 1,2 Mrd. Euro einnehmen. Infineon war am Donnerstag nicht mehr zu erreichen.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hatte bei der Hauptversammlung im Januar einen Verkauf der restlichen Infineon-Anteile nicht ausgeschlossen, sich aber auf einen Zeitpunkt nicht festlegen wollen.

Siemens nutzt mit dem Verkauf den rasanten Kursanstieg der Infineon-Aktie, die am Donnerstag zeitweise erstmals wieder über neun Euro gestiegen war und mit einem Kursplus von zehn Prozent so teuer war wie seit November 2004 nicht mehr. Die Papiere des vor der Aufspaltung stehenden Münchener Chipkonzerns waren mit einem Tagesumsatz von 38 Mill. Aktien die meistgehandelten Titel im Dax. Händler führten den Kurssprung auf charttechnische Kaufsignale zurück. Infineon will die Speicherchip-Sparte noch im ersten Halbjahr abspalten und anschließend getrennt - wohl in Asien - an die Börse bringen.

Der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer und sein Finanzchef Neubürger hatten die Chip-Tochter wegen deren extrem zyklischem Geschäft 1999 abgespalten und im Frühjahr 2000 unter dem Kunstnamen Infineon an die Börse gebracht. Im Börsenboom verdoppelten sie ihren Wert gleich am ersten Handelstag auf 70 Euro. In der Krise der Chipbranche verlor die Aktie aber nach und nach an Boden.

Seitdem hat Siemens seine Anteile schrittweise verringert. Im Dezember 2001 trennte sich Siemens von der Mehrheit an dem einstigen Börsenstar. Im Januar 2004 reduzierte der Konzern seinen Anteil auf den zuletzt gehaltenen Prozentsatz. Im April 2005 sank die Infineon-Aktie auf 6,40 Euro.

Nach Siemens war zuletzt der Finanzinvestor Capital Group mit zehn Prozent der Infineon-Anteile größter Einzelaktionär. Die Investmentfirma Brandes hatte vor einer Woche einen Anteil von 5,13 Prozent gemeldet. Beide Aktienpakete gelten aber als Streubesitz.

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