Betriebsrat
SAP will die IG Metall austricksen

Laut Medienberichten gibt der Software-Konzern SAP seinen Widerstand gegen die Einrichtung eines Betriebsrats auf. Was sich nach Kapitulation anhört, dürfte in Wahrheit aber ein geschicktes Manöver sein, um die IG Metall aus den Geschicken des Unternehmens rauszuhalten.

HB BERLIN. In den kommenden Tagen sollten die Mitarbeiter aufgefordert werden, in einer Betriebsversammlung einen Wahlvorstand zu bestimmen, berichtete die „Financial Times Deutschland“ in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf Management-Kreise. Der Wahlvorstand ist für die Gründung eines Betriebsrats erforderlich. Ein SAP-Sprecher gegenüber Handelsblatt.com: „Kein Kommentar.“

Der Konzernvorstand werde über dieses Verfahren so schnell wie möglich mit der bestehenden Arbeitnehmervertretung sprechen, hieß es laut der Zeitung in den Kreisen weiter. Hier liegt auch nach Informationen des „Spiegel“ der Kern der neuen SAP-Taktik. Bislang hatte SAP-Chef Henning Kagermann die Gründung eines Betriebsrats mit allen Mitteln verhindern wollen. Nun will SAP offenbar das Heft selbst in die Hand nehmen und einen Betriebsrat installieren, der von den bestehenden Arbeitnehmervertretern kontrolliert wird. Das würde die IG Metall ausbremsen, deren Mitglieder vor Gericht erreichen wollen, dass ein Wahlvorstand installiert wird.

Der Sinneswandel bei SAP scheint zustande gekommen zu sein, weil das Unternehmen offenbar seine Chancen geringt einschätzt, den Rechtsstreit zu gewinnen. SAP hatte nach Handelsblatt-Informationen erwogen, bis vors Bundesverfassungsgericht zu ziehen, um den Paragrafen 17 des Betriebsverfassungsgesetzes zu kippen, über den die Einsetzung eines Wahlvorstand erzwungen werden kann.

 SAP-Gründer Hopp im Audio-Interview: „Dann kann es passieren, dass die SAP-Zentrale nicht mehr in Walldorf ist...“

Bei einer Betriebsversammlung hatte sich unlängst nur eine kleine Minderheit von 500 SAP-Beschäftigten für die Vorbereitung der erstmaligen Wahl eines Betriebsrat ausgesprochen. Nach dieser Abstimmungsniederlage hatten drei SAP-Mitarbeiter – gleichzeitig IG-Metaller – beim Arbeitsgericht Mannheim einen Antrag auf Einsetzung eines Wahlvorstands eingereicht, der die Betriebsratswahl für die Konzernzentrale in Walldorf und den Standort im benachbarten St. Leon-Rot organisieren soll.

SAP ist mit mehr als 13 000 Mitarbeitern in Deutschland seit der Gründung 1971 das größte deutsche Unternehmen ohne eine gesetzliche Arbeitnehmervertretung. Die IG Metall versucht seit Jahren wie die Gewerkschaft Verdi vergeblich, bei SAP einen Fuß in die Tür zu bekommen. Bereits vor drei Jahren war ein Vorstoß für eine Betriebsratsgründung am mangelnden Interesse der Belegschaft gescheitert.

Bis jetzt lassen sich die weltweit 32 000 SAP-Mitarbeiter von 8 Kollegen vertreten, die zugleich Mitglieder des Aufsichtsrats sind. Grundlage ist eine für deutsche Konzerne einmalige Sondervereinbarung mit der Konzernleitung.

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