Bettina Wulffs Verleger
„Jetzt kann jeder hinter die Kulissen schauen“

Christian Jund ist das Enfant terrible der Verlagsbranche. Der Wulff-Verleger schert sich nicht um Konventionen. Im Gespräch mit Handelsblatt Online berichtet er von der PR-Strategie für das Buch der Präsidenten-Gattin.
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MünchenDer Verleger des Buches „Jenseits des Protokolls“ von Bettina Wulff, Christian Jund, weist den Vorwurf eines inszenierten Rechtsstreit um die angeblich zweifelhafte Vergangenheit der ehemaligen First Lady zurück. „Wir haben mit der Bekämpfung der Gerüchte nichts zu tun. Wir haben das aus der Zeitung erfahren“, sagte Oliver Kuhn, CEO der Münchner Verlagsgruppe, Handelsblatt Online im Namen des Verlegers.

Die Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff hatte wegen Gerüchten über ihre Vergangenheit unter anderem einen Rechtsstreit mit Moderator Günther Jauch angestrebt und Klage gegen den Internetkonzern Google wegen automatisch ergänzter Sucheingaben mit ihrem Namen eingereicht.

Jund hat aber natürlich zusammen mit Bettina Wulff und ihrer Co-Autorin einen detaillierten Marketingplan ausgearbeitet, bei dem „Bild“ eine zentrale Rolle spielt. „Wir haben mit Bettina Wulff gemeinsam einen Plan besprochen und umgesetzt“, sagt Jund. „Bei so einem Buch kommt man an ,Bild’ nicht vorbei.“ Europas größte Zeitung berichtete vorab aus dem Buch.

Jund erwartet für seine Münchner Verlagsgruppe (Redline, MVG, FinanzBuch) ein Umsatzplus. Er prognostiziert für dieses Jahr einen Umsatz von 15 Millionen Euro. Alle fünf Tochterverlage seien profitabel, darunter auch der Riva-Verlag, in dem Wulffs Buch erschienen ist.

In der Buchbranche gilt der Verleger als Enfant terrible, der sich wenig um Konventionen schert. Ursprünglich war das Buch von Bettina Wulff mit einer Startauflage von 100 000 Exemplaren für November angekündigt. Kurzerhand hatte der Verleger angesichts der medialen Aufmerksamkeit den Veröffentlichungstermin aber auf Mittwoch vorgezogen. Er wollte nach eigener Aussage die Autorin nach eigenen Bekunden nicht weiter dem medialen Druck aussetzen. „Jetzt kann jeder hinter die Kulissen blicken“, sagte Jund. „Es ist ein wahnsinnig offenes Buch.“ In einigen Buchläden war das Werk der Gattin des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) schon am Montag erhältlich.

Der Münchner Verleger kam quasi ohne eigenes Zutun zu dem Bestseller der PR-Managerin. „Bettina Wulff und ihre Co-Autorin haben uns angerufen“, sagte er. Teile des Manuskriptes seien bereits vorhanden gewesen. „Sie wussten, dass wir hinter unseren Autoren zu 150 Prozent stehen.“ Riva hatte in der Vergangenheit bereits mit Prominenten-Biographien für Überraschungserfolge gesorgt. Die Erinnerungen des Rapper-Idols Bushido ging nach Unternehmensgaben 180 000 Mal über den Ladentisch, die Biographie des früheren Schalke-Managers Rudi Assauer verkaufte sich 70 000 Mal.

Der Riva-Verlag existiert seit 2004 und wurde von Christian Jund gegründet. In der Buchbranche spielt die mediale Aufmerksamkeit für den Verkaufserfolg mittlerweile eine entscheidende Rolle. „Es ist völlig wurscht, was geschrieben wird, Hauptsache es wird geschrieben“, sagte Verleger Christian von Zittwitz, Herausgeber des „Buchmarkt“ am Montag.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Bettina Wulffs Verleger: „Jetzt kann jeder hinter die Kulissen schauen“"

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  • "„Es ist völlig wurscht, was geschrieben wird, Hauptsache es wird geschrieben“, sagte Verleger Christian von Zittwitz, Herausgeber des „Buchmarkt“ am Montag."

    Ja, tatsächlich. So kenne ich Herrn Zittwitz seit 20 Jahren - seinen eigenen Texten nach scheint das eine Art "Lebensmotto" zu sein.

  • Ich frage mich hier schon, wie man bitte allein auf die Idee kommen kann, seine Zeit mit einer solchen Lektüre zu verschwenden!? Liest man das, um sich zu unterhalten, um etwas zu lernen oder etwa, weil es einen tatsächlich interessiert? Diese Frau ist soweit entfernt von einer interessanten Persönlichkeit wie es das Paar Wulff von einem akzeptablen Verständnis von Angemessenheit ist.

  • Ich werde das Buch nicht kaufen, dazu mußte ich mir diese merkwürdigen Kampagnen lange genug in der Presse antun.
    Aber das diese Frau nun passend mit ihrem neuen Buch die Klagen losläßt, kann man so und so sehen. Als ihr Mann noch in "Amt und Würden" war, haben ihr die Anwälte sicher abgeraten. Nun ist es einfach ein Werbeselbstläufer. Selbst Schuld wenn die Presse sich so zum Büttel eines Verlages macht. So ist diese auch nicht besser, also soll Frau Wulff mit ihrem Buch verdienen, und das mit kostenloser Werbung durch eine "Rotlichtgeile" Presse *g*.
    Ist der Ruf erst ruiniert ...

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