Bezahlsender
Premiere schafft Kapitalerhöhung

Der Bezahlsender Premiere hat seine geplante Kapitalerhöhung über die Bühne gebracht. Insgesamt seien gut 367 Millionen neue Aktien zu einem Preis von 1,12 Euro pro Stück zugeteilt worden. Dadurch bekommt Rupert Murdoch noch mehr Macht.

DÜSSELDORF. Ohne den Medien-Tycoon Rupert Murdoch geht bei Premiere gar nichts mehr. Der australisch-amerikanische Unternehmer erhöhte über die nun erfolgte Kapitalerhöhung seine Beteiligung auf 30,5 Prozent. Bislang hielt sein Konzern News Corp. rund 29 Prozent an Premiere. Obwohl Murdoch damit die Schwelle von 30 Prozent überschritten hat, muss er den übrigen Aktionären kein Pflichtangebot unterbreiten: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte zuvor News Corp. von dieser Auflage befreit, weil das Unternehmen als Sanierungsfall gelte.

Wie Premiere gestern mitteilte, ist die dringend benötigte Kapitalerhöhung gut von den Aktionären angenommen worden. „Die Kapitalerhöhung ist ein wichtiger Meilenstein für Premiere“, sagte Vorstandschef Mark Williams. Die von den Gläubigerbanken Royal Bank of Scotland und Unicredit betreute Erhöhung spült dem seit Jahren Verluste schreibenden Unternehmen knapp 412 Mio. Euro in die Kasse. Das einst von Leo Kirch gegründete Unternehmen hat seit seinem Börsengang nur in einem einzigen Quartal Geld verdient. Die hohen Kosten für das Programm und sinkende Abonnentenzahlen haben den Sender beinahe in den Ruin getrieben – die Banken waren angesichts der unsicheren Perspektiven extrem nervös geworden. Erst im Dezember hatten sich die Kreditgeber nach schwierigen Verhandlungen dazu durchgerungen, dem Unternehmen weiter finanziell beizustehen. Nun versucht der Murdoch-Vertraute Williams den Bezahlsender in eine wirtschaftlich sinnvolle Zukunft zu führen.

Bei der am Dienstagabend vollzogenen Kapitalerhöhung, in deren Rahmen 367 Mio. Papiere zum Preis von je 1,12 Euro ausgegeben wurden, hat die zu Murdochs Imperium gehörende Firma News Adelaide Holdings annähernd 31 Prozent der Aktien erworben. Die restlichen Anteile wurde von freien Aktionären gekauft. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass viele Aktionäre über die Zeichnung neuer Papiere wieder Vertrauen in das Unternehmen zum Ausdruck bringen“, sagte ein Murdoch-Sprecher gestern.

An der Börse gab die Premiere-Aktie gestern weiter nach. Der Kurs sank am Nachmittag um 1,24 Prozent auf 1,51 Euro. Das Papier hatte einen dramatischen Sinkflug hingelegt, das 52-Wochen-Hoch lag bei knapp 14 Euro. Dennoch wächst im Markt das Vertrauen. Medienanalyst Harald Heider von der DZ Bank hält die Aktie für einen Kauf. Auch M.M. Warburg und Credit Suisse empfehlen das Papier des Krisenunternehmens.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%