Bharti und Reliance planen Zukäufe
Afrika lockt indische Mobilfunker

Die indischen Mobilfunknetzbetreiber wollen ihr Geschäftsmodell mit billigen Minutenpreisen auf den afrikanischen Markt ausweiten. Der indische Marktführer Bharti Airtel verhandelt bereits seit Ende Mai über eine Fusion mit dem südafrikanischen Anbieter MTN. Nun wagt auch Indiens Nummer zwei den Vorstoß. Die Inder kennen bereits das schwieriges Geschäft in Schwellenländern.

NEU-DELHI/DÜSSELDORF. Reliance Communications prüft die Übernahme des Afrika-Geschäfts vom kuwaitischen Mobilfunker Zain. Reliance Communications habe Verhandlungen mit der Kuwait Investment Authority aufgenommen, dem größten Anteilseigner von Zain, hieß es aus den Unternehmen nahestehenden Bankenkreisen. Die Gespräche befänden sich aber noch in einem frühen Stadium. Ein Sprecher von Reliance wollte sich dazu nicht äußern.

Afrika gilt als wichtigster Wachstumsmarkt der Mobilfunkbranche. Indische Anbieter sind bestens geeignet, auf diesem Markt Erfolg zu haben, da sie das Geschäft mit niedrigen Preisen, fehlender Infrastruktur und klimatischen Herausforderungen aus ihrem Heimatland kennen. „Die indischen Anbieter haben Geschäftsmodelle für Länder mit geringem Pro-Kopf-Einkommen entwickelt“, sagte Thecla Mbongue vom britischen Marktforscher Informa. „Sie könnten das auf Afrika übertragen.“

Auch Arndt Rautenberg von der Strategieberatung OC&C hält die Expansionspläne für sinnvoll. Reliance habe über 70 Mio. Kunden in Indien und dabei wertvolle Erfahrung auf einem schwierigen Markt gewonnen.

Reliance sieht sich bereits seit längerem nach Kaufmöglichkeiten in Afrika um. Schon vor Bharti verhandelte das Unternehmen des indischen Multimilliardärs Anil Ambani mit MTN. Doch die Gespräche scheiterten am Widerstand von Anils verfeindetem Bruder Mukesh Ambani. Im Februar 2008 schlug Reliance dann in Uganda zu und kaufte den Anbieter Anupam. Bei den Gesprächen mit Zain soll es um die 16 afrikanischen Tochterfirmen des kuwaitischen Mobilfunkers mit Ausnahme Marokkos und des Sudan gehen. Sie umfassen über die Hälfte der 65 Mio. Kunden von Zain.

Die Kuwaitis hatten schon mit dem französischen Mischkonzern Vivendi über einen Verkauf ihrer Afrika-Töchter verhandelt. Die Gespräche scheiterten jedoch im Juli am Preis. Außer Reliance Communications soll auch der Mobilfunkbetreiber Etisalat aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an Zain interessiert sein. Experten sehen den Wert der Zain-Töchter bei rund zehn Mrd. Dollar (sieben Mrd. Euro). Zain hatte sie im Jahr 2005 für nur 3,4 Mrd. Dollar gekauft, allerdings seither etliche Milliarden in den Netzausbau investiert. Dennoch haben sieben der 16 Töchter im ersten Quartal Verluste geschrieben.

Ihre hohe Bewertung erklärt sich durch den Run auf afrikanische Mobilfunkanbieter, die noch viel Wachstum verheißen. Im vergangenen Jahr legte die Anzahl der Handy-Nutzer in Afrika um rund 30 Prozent zu. Da die Märkte in den Industrienationen gesättigt sind, müssen die etablierten Anbieter auf Schwellen- und Entwicklungsländer ausweichen, um weiter zuzulegen. So haben Vodafone und France Télécom in großem Stil in Afrika eingekauft. Die starke Nachfrage treibt die Preise.

Die indischen Mobilfunker machen trotz geringer Umsätze pro Kunde hohe Gewinne. Bharti Airtel steigerte den Nettogewinn im vergangenen Quartal um 24 Prozent auf 365 Mio. Euro. Die Marge von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei gut 40 Prozent.

Ob der geplante Zusammenschluss mit MTN gelingt, bleibt ungewiss. Einige MTN-Anteilseigner fordern offenbar, dass Bharti sein Angebot um rund eine Mrd. Dollar verbessert. Bharti hat das bisher abgelehnt. Die Inder brauchen die Zustimmung von drei Vierteln des MTN-Aktienkapitals. Bharti und MTN planen eine Überkreuzbeteiligung, die den Indern 49 Prozent des südafrikanischen Unternehmens sichern würde und dessen Aktionären 36 Prozent an Bharti. Sollte das Vorhaben im Volumen von 23 Mrd. Dollar gelingen, entstünde der weltweit drittgrößte Mobilfunkkonzern mit mehr als 200 Mio. Kunden und einem Jahresumsatz von über 20 Mrd. Dollar.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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