Bilanzanalyse
Infineons Aktionäre sind so zufrieden wie nie

Kaum ein anderer Dax-Konzern hat für so viele Skandale gesorgt. Rechtzeitig zur Hauptversammlung präsentiert sich der Chiphersteller wieder in gutem Zustand. Doch Vorstandschef Bauer muss noch ein Versprechen einlösen.
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München/FrankfurtInfineon im Glück. Diesmal gab es im Vorfeld des Aktionärstreffens keine Personalquerelen. Und die wenigen Gegenanträge der Anteilseigner eignen sich nicht für große Redeschlachten. Es dürfte eine der kürzesten Hauptversammlungen in der 13-jährigen Geschichte des Chipkonzerns Infineon werden.

Die Harmonie ist bemerkenswert. Denn in den vergangenen Jahren hat kaum ein anderes deutsches Unternehmen für so viele negative Schlagzeilen gesorgt wie die ehemalige Siemens-Tochter. Mal schockierten horrende Verluste die Aktionäre, dann sorgte die Besetzung der Aufsichtsratsspitze für helle Empörung.

Entsprechend turbulent verliefen die Hauptversammlungen. Doch das ist Vergangenheit. Es ist auch das Verdienst von Vorstandschef Peter Bauer, dass Europas zweitgrößter Halbleiterproduzent heute so gut dasteht. Und es gibt für Bauer wohl kein größeres Lob, als dass Infineon inzwischen ein Unternehmen wie jedes andere ist: mit Höhen und Tiefen, aber ohne Schlammschlachten.

Infineon

Umsatz nach Regionen

in Prozent


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Gleich nach seinem Amtsantritt im Sommer 2008 verordnete der Ingenieur dem Konzern einen tiefgreifenden Umbau: Er strich Tausende Stellen, verkaufte mehrere Sparten. Seither konzentriert sich Infineon auf ausgewählte Wachstumsfelder, die weniger schwankungsanfällig sein sollen als die Bereiche, in denen Infineon früher tätig war.

So hat Bauer aus dem Pleitekandidaten eine Firma geformt, die auch ausgeprägte Phasen des Abschwungs, wie sie für die Halbleiterbranche üblich sind, ohne Schwierigkeiten überstehen kann. Zum Ende des Geschäftsjahrs 2010/11 im September hatte Infineon mehr als zwei Milliarden Euro Cash - und zwar netto, also nach Abzug der Finanzschulden. Zugleich wies Infineon eine stolze Eigenkapitalquote von 57 Prozent auf. Zum Vergleich: Im September 2008 waren es nur 31 Prozent. Auch mit Blick auf die Konkurrenz steht Infineon gut da. Nur der europäische Marktführer ST Microelectronics kam Ende 2011 ebenfalls auf ein Nettofinanzguthaben - und zwar von 762 Millionen Dollar bei einer Eigenkapitalquote von 66 Prozent. Der US-Branchenprimus Texas Instruments (TI) hat zwar mehr Schulden in der Bilanz als Geld in der Kasse. Im Verhältnis zum Eigenkapital sind die Nettofinanzschulden mit 24 Prozent aber noch akzeptabel.

Die ehemalige Philips-Halbleitersparte NXP sowie der US-Konzern Freescale müssen dagegen mit weitaus höheren Nettofinanzschulden in den Abschwung gehen, der die Branche seit einigen Monaten wieder erfasst hat. Stabiles operatives Geschäft.

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