Boulevard-Zeitung
Springer treibt Pläne für Frankreich-„Bild“ voran

Die Anzeichen verdichten sich, dass der Verlag Axel Springer demnächst in Frankreich eine neue Boulevard-Zeitung starten will. In Polen gibt es bereits einen „Bild“-Ableger. Frankreich als nächster Markt wäre insofern ideal, als dass dort kein großes Revolverblatt existiert.

PARIS/DÜSSELDORF. Die Zeitung „Le Parisien“ meldet, dass die französische Springer-Tochter den bisherigen Chefredakteur der Gratiszeitung „Metro“, Didier Pourquery, für die Leitung eines an die „Bild-Zeitung“ angelehnten Projektes angeworben habe.

Zwar versicherte Springer in Paris und in Berlin, es sei noch keine Entscheidung über ein Boulevard-Blatt für Frankreich gefallen, und auch Pourquery dementierte die angebliche Personalentscheidung. Doch eine Springer-Sprecherin stellte zugleich in Aussicht, dass der Verlag noch in diesem Jahr einen Beschluss verkünden werde, ob – und wo – er eine weitere Regenbogenzeitung herausgeben wolle.

Erfolg in Polen

Springer leitet die Hoffnung auf Marktanteile in Frankreich vor allem vom Erfolg des Boulevardblattes „Fakt“ in Polen ab. „Fakt“ trat erst im Jahr 2003 auf dem polnischen Zeitungsmarkt an und ist nach Verlagsangaben mit einer Auflage von über einer halben Million bereits die größte Tageszeitung des Landes. Das Blatt soll Springer schon ein halbes Jahr nach dem Start Geld gebracht haben, obwohl es gegen die alteingesessene Boulevard-Zeitung „Superexpress“ angetreten ist.

In Frankreich gebe es noch Platz für eine Tageszeitung im Boulevard-Stil, hatte Springer-Chef Matthias Döpfner im März gesagt. Medien berichteten in der Folgezeit über konkrete Pläne für einen französischen Ableger von „Bild“.

„Keine Bild-Kopie“

Der Verlag legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass er auf keinem Markt mit einer Kopie von „Bild“ antreten werde. Falls Springer seine „Boulevard-Kompetenz in ein weiteres Land transportieren“ werde, dann mit einem Produkt, das den Gewohnheiten und Vorlieben der dortigen Leser angepasst sei.

Den Angaben des „Parisien“ zufolge – die Springer dementiert – soll das neue Blatt für den französischen Markt im Herbst auf den Markt kommen und 50 Cent kosten. Als Startauflage peile der deutsche Zeitungskonzern 600 000 Exemplare an. Am Montag hatte „Metro“ gemeldet, sein Chefredakteur gehe zugunsten eines „Abenteuers in der Bezahlpresse“ von Bord – was Spekulationen inspiriert haben könnte.

Boulevardzeitung ist Mangelware

Eine Boulevard-Zeitung mit großen Buchstaben im Stil von „Bild“ gibt es in Frankreich bislang nicht, allerdings mehrere Straßenverkaufszeitungen. Dazu gehören „Le Parisien“, der die „Bild“-Geschichte jetzt aufbrachte, und „France Soir“. Außerdem können die Einwohner der größten Städte täglich zwei Gratiszeitungen lesen: „Metro“ und „20 Minuten Paris“. An anspruchslose und schnelle Leser wendet sich auch ein großer Teil der Regionalpresse. Lokalzeitungen in Frankreich sehen oft aus wie Anzeigenblätter, in denen Politik, Wirtschaft und Ausland nur eine geringe Rolle spielen und die sich überwiegend auf lokale Nachrichten konzentrieren.

Zu bedenken ist zudem, dass die meisten französischen Zeitungen seit Jahren Verluste machen. Sie überleben nur, weil die Eigentümer, in der Regel große französische Konzerne, trotz roter Zahlen im Zeitungsgeschäft mitmischen wollen und dies mit Gewinnen aus anderen Geschäftssparten finanzieren.

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