Branche im Umbruch
Neuer Telekom-Chef im Dilemma

Der Deutschen Telekom laufen im Inland die Festnetzkunden weg. Kai-Uwe Ricke ist bereits an dem harten Wettbewerb gescheitert. René Obermann tritt nun die Nachfolge an – was allerdings eine schwere Aufgabe ist. Immerhin steht die Branche insgesamt vor einem grundlegenden Umbruch, nur ein Bereich wächst derzeit stark.

HB BERLIN. Mehr als eine halbe Million Festnetzkunden verliert die Telekom aktuell pro Quartal. Ein Teil geht zur Konkurrenz, einem Teil davon reicht ein Mobiltelefon aus. Das dürfte erst einmal weitergehen.

Die Umsätze mit Sprachdiensten gehen nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom derzeit insgesamt um eine Milliarde Euro pro Jahr zurück. Parallel dazu legten Datendienste dynamisch zu und die Mobilkommunikation wachse leicht, berichtete der Verband am Montag in Berlin vor dem Hintergrund des Führungswechsels bei der Deutschen Telekom. Obermann muss also bei sinkenden Umsätzen die Telekom profitabel halten, um die Aktionäre zufriedenzustellen.

Der neue Mann an der Spitze des Bonner Konzerns ist sich der Probleme bewusst: „Der Kostendruck ist immens, der technologische Wandel ist rasant.“ Hinzu komme eine Regulierung, die darauf abziele, der Telekom Kunden abzunehmen. Der Verlust von Marktanteilen des ehemaligen Monopolisten ist dabei politisch gewollt. Man könne nicht davon ausgehen, „dass die Regulierung plötzlich aufhört“, hieß es aus der Bundesnetzagentur.

„Nur ein Strohfeuer“

Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte Obermann „viel Erfolg“. Der Bund - mit knapp einem Drittel wichtigster Aktionär - soll an der Ablösung von Kai-Uwe Ricke maßgeblich beteiligt gewesen sein. Ein Ziel soll sein, den T-Aktienkurs über die Marke von 17 Euro zu hieven, so dass sich der Bund möglichst schnell im nächsten Jahr von seinen Aktien trennen kann. Bevor das Aktienpaket des Bundes unter den Hammer kommen kann, muss Obermann erste Schritte einleiten, um die Börse zu überzeugen. Der Aktienkurs legte zwar am Montag deutlich zu, viele Analysten werten dies aber nur als Strohfeuer. Der Wechsel sei erwartet worden, „aus fundamentaler Sicht ergibt sich keine entscheidende Veränderung“, meint Per-Ola Hellgren von der Landesbank-Rheinland-Pfalz.

Im Telekom-Vorstand werden derweil weitere personelle Veränderungen erwartet. Auf der „Abschussliste“ steht insbesondere T-Com-Chef Walter Raizner. Ihm wird der verspätete Start der Bündeltarife und des TV-Diensts angelastet. Aus Altersgründen könnte zudem Personalvorstand Heinz Klinkhammer seinen Posten verlassen. Ein möglicher Nachfolger stünde schon bereit, hieß es im Konzern.

Der neue Telekom-Chef will mit einer neuen Führungsmannschaft das Ruder bei der Deutschen Telekom herumreißen, wie die Wirtschaftswoche am Montag meldete. Insider gingen davon aus, dass Obermanns engste Vertraute in der T-Mobile-Geschäftsführung, insbesondere Timotheus Höttges (Vertrieb), Hamid Akhavan (Technik) und Thomas Winkler (Finanzen), Schlüsselfunktionen im Konzern übernähmen, hieß es werden.

Als weiterer Anwärter für einen Aufstieg in den Konzernvorstand gilt dem Bericht zufolge Achim Berg, der bis vor wenigen Tagen den Vertrieb der Festnetzsparte T-Com leitete und von Obermann in der vergangenen Woche mit dem Aufbau und der Integration der konzernweiten Vertriebe beauftragt wurde. Berg könnte Nachfolger von Obermann bei T-Mobile International und damit neuer Mobilfunk-Verantwortlicher im Konzernvorstand werden, hieß es. Möglich sei aber auch, dass Berg an die Spitze der Festnetzsparte T-Com rücke und Raizner ablöse.

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