Branche ist optimistisch
Deutsche Filme sind wieder gefragt

Die deutsche Film- und Fernsehunternehmen gehen mit großer Zuversicht zur Filmmesse Mip-TV in Cannes. Denn Fernsehfilme und Dokumentationen aus der Bundesrepublik sind gefragt. „Es gibt international ein zunehmendes Interesse an historischen Stoffen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor sechzig Jahren beschleunigt den Trend“, sagte Thilo Kleine, Chef der Bavaria Film, dem Handelsblatt.

HB CANNES. Das größte Studio in Deutschland verkauft erstmals den TV-Dreiteiler „Speer und Er“ auf dem internationalen Parkett. Obwohl das Doku-Drama erst am 9. Mai in der ARD Premiere hat, ist die Nachfrage im Ausland bereits groß. „Für ,Speer und Er“ gibt es in Europa ein riesiges Interesse, von dem wir selbst überrascht sind“, berichtet Kleine, der auch Produzent der zwölf Mill. Euro teuren TV-Produktion ist. Bereits vor Beginn der Filmmesse in Cannes ist „Speer und Er“ in verschiedene Länder verkauft worden, darunter in Frankreich an Canal Plus. Der Film von Heinrich Breloer („Die Manns“) erzählt das seltsame Verhältnis zwischen dem Diktator Adolf Hitler und seinem Architekten Albert Speer.

„Die Programmeinkäufer stellen hohe Ansprüche an die Qualität“, weiß Patrick Hörl, Deutschlandchef des TV-Unternehmens Discovery. „Für internationale Produktionen in hoher Qualität gibt es ein noch großes Potenzial.“ Die gesteigerten Qualitätsansprüche erfüllen deutsche Produzenten offenbar in besonderem Maß. „Wir sind in Europa eine der ersten Adressen, wenn es um die Umsetzung historischer Stoffe geht“, sagt Bavaria-Geschäftsführer Kleine selbstbewusst. Vor allem Osteuropa interessierten sich für Stoffe wie „Die Manns“ oder „Speer und Er“.

Das ZDF hat den Trend zu aufwendigen Dokumentationen und Doku-Dramen seit langem erkannt. Die Mainzer machen damit auch gute Geschäfte. Erst kurz vor der Messe in Cannes hat die kommerzielle Tochter ZDF Enterprises 350 Stunden Programm – darunter historische Dokumentationen vom Haushistoriker Guido Knopp und Serien wie „Terra X“ und „Sphinx“ an die Muttergesellschaft von Discovery, Arts and Entertainment Television Networks (AETN), verkauft. Über den Preis haben das ZDF und die Tochter der US-Medienkonzerne Disney und NBC Universal Stillschweigen vereinbart. „Unser Erfolg in Deutschland und darüber hinaus nimmt weiterhin zu“, konstatiert Alexander Coridass, Geschäftsführer von ZDF Enterprises.

Wann der Markt für Dokumentationen gesättigt sein wird, ist unklar. „Der Dokumentationsbereich boomt. Der Bedarf beim Zuschauer ist noch noch lange nicht gedeckt“, behauptet TV-Manager Hörl. Auch in Deutschland ist der Höhepunkt des Ekel-Fernsehens wie „ Dschungelshow“ (RTL) oder „Frauentausch“ (RTL 2) vorüber. „Das Abendprogramme wird immer trauriger, billiger und langweiliger. Wir brauchen wieder mehr Qualität im TV“, sagt ein Werbeeinkäufer. Der Preisdruck ist angesichts der schlechten Werbekonjunktur aber groß. „Sat 1 und andere Privatsender investieren in anspruchsvolle Programme. Aber die aufwendigen Produktionen können den Trend zum billigeren Programm nicht stoppen“, sagt Michael Enzenauer, Geschäftsführer der Media-Agentur Zenith Optimedia, die die Werbeetats von Nestlé und den Sparkassen betreut.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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