Chipbranche
Qimonda-Beschäftigte wollen Unterstützung von Seehofer

Die Beschäftigten des insolventen Speicherchip-Herstellers Qimonda haben Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) um Unterstützung im Überlebenskampf des Unternehmens gebeten. "Die Zeit ist knapp", sagte der Vorsitzende des Betriebsrats, Jakob Hauser, am Montag.

MÜNCHEN/DRESDEN. Die Zahlung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter sei nur noch bis Ende März gesichert. Bis dahin müsse eine Lösung für das Unternehmen gefunden werden. "Ganz konkret bitten wir Sie, Ihren politischen und persönlichen Einfluss in Bayern, in Deutschland und in der EU für Qimonda in die Waagschale zu legen", hieß es in einem offenen Brief des Betriebsrates an Seehofer, der am Montag in München veröffentlicht wurde.

Die noch rund 3 200 Beschäftigten des Dresdner Werkes bereiten unterdessen für diesen Mittwoch eine Demonstration in der Landeshauptstadt vor. "Wir wollen auf unsere Probleme und den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen aufmerksam machen", sagte Betriebsrat Martin Welzel. Unter dem Motto "Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht" werden zudem auf den Zufahrtswegen zum Firmengelände Fotos von Mitarbeitern gezeigt.

Kein Unternehmen der Branche arbeite derzeit profitabel, die Konkurrenz aus Asien halte sich nur mit direkter und indirekter staatlicher Unterstützung über Wasser, hieß es in dem Münchner Schreiben. Wettbewerb finde unter diesen Bedingungen nicht statt. "Stattdessen wird die Marktbeherrschung durch einen Wettlauf um Subventionen entschieden." Es sei also nicht einleuchtend, die Förderung in Europa einseitig einzustellen. Mittelfristig müsse das Problem dann mit der EU und der Welthandelsorganisation WTO geklärt werden.

Qimonda hatte im Januar nach monatelangem Kampf gegen fallende Speicherchip-Preise Insolvenz anmelden müssen. Ein staatliches Rettungspaket, an dem sich auch der Mutterkonzern Infineon beteiligen wollte, war gescheitert. Bis März muss Insolvenzverwalter Michael Jaffé nun einen Investor finden, sonst droht auch den verbliebenen Standorten das Ende. Insgesamt arbeiten weltweit rund 12 000 Menschen für Qimonda, davon rund 1 400 in München und etwa 3 200 in Dresden.

Bei schneller Hilfe habe die Firma durchaus Überlebenschancen, sagte Hauser. "Qimonda ist kein großes schwarzes Loch, wo nur Geld verschwindet, sondern hat technologische Substanz." Wichtig sei jetzt vor allem die Umstellung der Produktion auf die sogenannte Buried-Wordline-Technologie. Dann könne Qimonda auch wieder profitabel arbeiten. Das Unternehmen verspricht sich von der Umstellung Produktivitätszuwächse von bis zu 200 Prozent, sprich: Mit den gleichen Kapazitäten könnten drei statt bisher ein Chip produziert werden. Die neuen Chips sollen überdies deutlich weniger Strom verbrauchen. "Uns fehlt das Geld, die neuen Produkte umzusetzen", so Hauser.

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