Chiphersteller wächst kräftig
Autosparte schiebt Infineon an

Infineon ist glänzend ins neue Jahr gestartet. Deutschlands größter Halbleiterproduzent konnte dank eines guten Autogeschäfts Umsatz und Gewinn kräftig steigern. Die Börse reagiert dennoch kühl auf die Zahlen.
  • 0

MünchenBei Infineon läuft es rund, und das liegt vor allem am Autogeschäft. Die mit Abstand größte Sparte des Chipherstellers ist im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs kräftig gewachsen. Zwischen Januar und Ende März ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf 783 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Vor allem Halbleiter für Fahrerassistenzsysteme, sowie für Hybrid- und Elektroautos seien gefragt gewesen, teilten die Münchener am Donnerstag mit. Die Auto-Division steht für mehr als 40 Prozent vom Konzernumsatz.

Insgesamt sind die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Auch die operative Marge fiel mit 16,8 Prozent deutlich besser aus als im selben Zeitraum 2016. Der Gewinn kletterte um elf Prozent auf 199 Millionen Euro.

„Unsere Geschäfte laufen derzeit ausgezeichnet“, betonte Vorstandschef Reinhard Ploss am Morgen in einer Telefonkonferenz. Bis auf den Bereich Chipkarten seien alle Divisionen gewachsen. Der Manager ergänzte: „Die Auftragslage ist hervorragend.“

An der Börse allerdings kamen die Quartalszahlen gar nicht gut an. Mit einem Minus von fast zwei Prozent gehörte Infineon zu den größten Verlieren im Dax. Das hatte mehrere Gründe. So hatten viele Analysten mit guten Zahlen vorab gerechnet, und sich womöglich noch bessere Ergebnisse erwartet. „Die starke Entwicklung im zweiten Quartal hatte sich abgezeichnet“, heißt es etwa bei der DZ Bank.

Dazu kommt: Binnen Jahresfrist ist der Kurs um fast die Hälfte geklettert, seit Jahresbeginn beträgt das Plus etwa 15 Prozent. Börsianer machten daher auch Gewinnmitnahmen für den Kursverfall verantwortlich. Zudem waren manche von der Prognose enttäuscht. Der Ausblick für das dritte Quartal liege niedriger als erwartet, schrieben die Analysten von Baader Helvea.

Insgesamt jedoch sieht es gut aus. Die gesamte Halbleiterbranche wird dieses Jahr ein kräftiges Wachstum verbuchen. Die Marktforscher von Gartner rechnen mit einem Umsatzplus von gut zwölf Prozent auf 386 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Letztes Jahr stiegen die Erlöse weltweit lediglich um 1,5 Prozent.

Auch für das laufende dritte Quartal sowie das gesamte Geschäftsjahr, es endet am 30. September, ist Vorstandschef Ploss zuversichtlich. Der Ingenieur hat erst Ende März seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr erhöht. Die Erlöse sollen nun um acht bis elf Prozent zulegen und die Umsatzrendite bei etwa 17 Prozent liegen. Zuvor hatte der Chipkonzern ein Umsatzplus von maximal acht Prozent und eine operative Marge von 16 Prozent erwartet.

Allerdings war die Freude in der Infineon-Zentrale im Süden von München zuletzt getrübt. Die US-Behörden haben zu Jahresbeginn eine Übernahme in den USA verhindert. Infineon wollte den US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed für 850 Millionen Euro kaufen. Doch die Aufseher machten Sicherheitsbedenken geltend, sodass der Deal letztlich nicht zustande kam. Wolfspeed sollte Infineon neues, wichtiges Know-how bringen.

Die meisten Analysten gehen indes davon aus, dass sich der Kurs schon bald wieder erholen wird und die Infineon-Aktien in den nächsten Monaten weiter an Wert gewinnen. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat seine Kaufempfehlung am Donnerstagmorgen bekräftigt. Die Banker rechnen mit einem Kursplus von rund 15 Prozent binnen Jahresfrist.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Chiphersteller wächst kräftig: Autosparte schiebt Infineon an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%