Combots gibt auf
Zurück auf Los

Es sollte eine kleine Insel mitten im Internet-Ozean sein, ein abgeschotteter Kosmos für die direkte Kommunikation mit den fünf oder zehn besten Freunden. Weiter daneben konnten die Entwickler von „Combots“ in einer Welt mit Social-Networking-Plattformen wie Myspace, Facebook oder Youtube kaum liegen. Ein Relikt aus alten New-Economy-Zeiten gibt auf.

DÜSSELDORF. Privat ist Michael Greve eher ein ruhiger und bescheidener Mensch, der nicht gern im Rampenlicht steht. Eben der unscheinbare und freundliche Multimillionär von nebenan. Das ändert sich schlagartig, wenn es um seine Mission geht: die Eroberung der Online-Welt. Da kennt der Mann aus Karlsruhe keine Zurückhaltung mehr. Da gerät er ins Schwärmen, spricht von 600-Mrd.- Euro-Märkten, da kann es nicht groß, revolutionär und spektakulär genug sein. Da soll von Karlsruhe-Durlach aus „die Welt erobert“ werden – mit dem Dienst für integrierte Online-Kommunikation „Combots“.

Jedenfalls war das bis zum gestrigen Dienstag so. Seitdem ist es amtlich: die Combots AG stellt nach andauernden hohen Verlusten die Weiterentwicklung ihres gleichnamigen – und einzigen – Produkts ein und steht vor einer völligen Neuausrichtung.

So skurril es klingt: Die Anleger freut’s; der Aktienkurs der völlig umsatzlosen Firma lag am Dienstag gut zwei Prozent im Plus. Grund sind Spekulationen, das Unternehmen könnte aufgelöst und die liquiden Mittel von 462 Mill. Euro – der Großteil in Form eines Aktienpakets von United Internet – an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Das wären rechnerisch immerhin mehr als zwölf Euro je Aktie. Diese Gerüchte bekommen neue Nahrung, denn Combots betont zwar, man wolle im Bereich Online-Kommunikation weitermachen. Nur wo und wie, das will man noch nicht so genau sagen. Das ist geheim.

Das kennen wir von Combots schon. Unter völliger Geheimhaltung hatte Greve mit seinen Mitarbeitern drei Jahre lang einen Web-Service entwickelt, der E-Mail, Internet-Telefonie, Instant-Messaging und Datenverwaltung unter einen Hut bringen sollte. Für PCs und Mobiltelefone, kostenlos und sicher. „Combots“ sollte eine kleine Insel mitten im Internet-Ozean sein, ein abgeschotteter Kosmos für die direkte Kommunikation mit den „fünf oder zehn besten Freunden“, beschrieb Greve es.

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