Computerspiele fallen durch
Marktführer Electronic Arts lahmt

Die Branche boomt, doch der Branchenprimus fällt zurück. Ausgerechnet auf seinem Heimatmarkt in den USA verliert Electronic Arts Umsatz, während der Markt wächst. Spielefans haben eine einfache Erklärung: Manche neue Titel des Marktführers sind einfach nicht gut genug.

DÜSSELDORF. Der mit weitem Abstand weltgrößte Hersteller von Computerspielen, Electronic Arts, kämpft mit Schwierigkeiten bei der Umstellung auf die neue Konsolengeneration. Während der Umsatz mit Computer- und Videospielen von 2005 auf 2006 weltweit um 15 Prozent stieg, legte er bei Electronic Arts im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende: 31. März) nur um fünf Prozent auf 3,1 Mrd. Dollar zu. Der Jahresüberschuss sank von 236 Mill. Dollar auf 76 Mill. Dollar.

Die Schwäche hat sich im jüngsten Quartal noch beschleunigt. Der US-Heimatmarkt von Electronic Arts boomte in den ersten drei Monaten. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts NPD Group stieg der Verkauf von Computerspielen, Konsolen und Zubehör um 54 Prozent auf 3,3 Mrd Dollar. Electronic Arts verbuchte in den USA dagegen im ersten Quartal 2007 ein Minus von vier Prozent.

Die Probleme des Riesen sorgen in der Branche für Kopfschütteln. Electronic Arts hat einen Marktanteil von rund 25 Prozent und veröffentlicht so erfolgreiche Serien wie „Need for Speed“, „Die Sims“ und „FIFA“. Kein anderer Hersteller hat solche Ressourcen wie Electronic Arts. Trotzdem veröffentlichte der Konzern in den vergangenen Monaten verhältnismäßig wenige Titel.

Kritiker erklären die Langsamkeit mit der teilweise enttäuschenden Qualität der jüngsten Spiele. Der Titel „Superman Returns“ etwa erhielt bei der Bewertung durch Spielezeitschriften im Durchschnitt rund 50 von 100 Punkten. Das Spiel „NBA Live 07“ kam nur auf 60 bis 70 Punkte. Unter Spielern gilt jede Wertung unter 80 als verdächtig.

Electronic Arts nimmt sich nun mehr Zeit für seine Titel und hat mehrere Veröffentlichungstermine verschoben. Der Ausblick für 2008 wurde ebenfalls gesenkt. Trotzdem stuft der einflussreiche Analyst Michael Pachter von Wedbush Morgan die Aktie als „Strong Buy“ ein. „Genau genommen war 2007 ein sehr gutes Jahr, denn es lag über den Erwartungen“, sagt Pachter. „Ich glaube auch, dass EA 2008 die Erwartungen wieder übertrifft.“

In Deutschland erwischte Electronic Arts einen besseren Start. Nach Angaben des Geschäftsführers Thomas Zeitner verkaufte sich allein „Command & Conquer 3“ innerhalb von wenigen Wochen mehr als 200.000 Mal – ein großer Erfolg. Zudem verwies Zeitner auf Projekte, die gerade in Deutschland Interesse finden sollen. So werde im Herbst „Fifa World“ erscheinen. Hier können Spieler ihre Fußballer zwischen Handy und PC/Konsole austauschen und entwickeln. Außerdem wolle man neue Einnahmemodelle ausprobieren. Zusätzliche Spielstätten und virtuelle Extras können online erworben werden. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Markt für virtuelle Güter in Zukunft stark wächst.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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