Computerspiele
Kein Game over für Electronic Arts Deutschland

Der Computerspielehersteller Electronic Arts (EA) will deutlich Stellen abbauen. Die deutsche Dependance wird nach Informationen des Handelsblatts davon nicht betroffen sein. Dafür müssen Entwicklerstudios in Kanada und den USA mit dem Aus rechnen. Doch EAs Pläne sorgen bei Analysten für Verwirrung.
  • 0

HB DÜSSELDORF. Mit einer E-Mail erfuhr die Belegschaft des Computerspieleherstellers Electronic Arts (EA) vom neuen Sparprogramm. Und das fällt deutlich aus. 1500 seiner insgesamt 9000 Stellen will der Branchenprimus weltweit einsparen. Gleichzeitig übernimmt das Unternehmen angesichts eines schrumpfenden Kerngeschäfts den Online-Spiele-Spezialisten Playfish. Dies dürfte den Konzern mindestens 275 Mio. Dollar kosten. EA-Chef John Riccitiello will weiter einen strikten Sparkurs fahren. Mehrere Standorte sollen geschlossen werden, was etwa 100 Mio. Dollar im Jahr in den Kassen halten soll. Außerdem will EA künftig weniger Spieletitel auf den Markt bringen.

EA-Deutschland wird von den Kürzungen wohl weitgehend verschont bleiben, wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist - auch wenn vereinzelte Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen sein dürften. In Deutschland beschäftigt EA insgesamt gut 180 Mitarbeiter, etwa 40 davon in Ingelheim bei EA Phenomic. Das deutsche Studio war 2006 von EA übernommen worden und entwickelte für den Publisher das Echtzeit-Strategie-Spiel Battleforge. Während EA nun wohl in Kanada und in den USA Entwicklungsstudios schließen wird, soll EA-Phenomic nicht betroffen sein.

Auch der Standort Köln, an dem EA in Deutschland vor allem Vertrieb, Marketing und Personal konzentriert hat, soll nicht wackeln. Kein Wunder, ist Deutschland doch nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Markt für Electronic Arts.

Electronic Arts steht vor allem in den USA wegen der schwachen Wirtschaft stark unter Druck. Die Verkäufe würden in diesem Jahr voraussichtlich im mittleren bis hohen einstelligen Bereich zurückgehen, sagte EA-Chef Riccitiello. In dem Ende September abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal hat Electronic Arts einen Verlust von 391 Mio. Dollar eingefahren. Ein Jahr zuvor hatte es bereits ein Minus von 310 Mio. Dollar gegeben. Der Umsatz fiel um knapp zwölf Prozent auf 788 Mio. Dollar.

Bereits vor einem Jahr hatte EA mit einem strikten Sparkurs versucht, die Kosten herunter zu fahren und die Zahl der Beschäftigten um rund zehn Prozent reduziert. Im kommenden Jahr will das Unternehmen nun die Zahl der Spieleveröffentlichungen um ein Drittel zurückfahren. Von den jetzt anstehenden Stellenstreichungen sind US-Medien zufolge 17 Prozent der Jobs bei dem Spiele-Anbieter betroffen. Die Entwicklung einer ganzen Reihe von Spielen und Projekten soll nun eingestellt werden. Aber auch bestehenden, erfolgreichen Studios wie etwa Tiburon, das hinter der erfolgreichen American-Football-Serie Madden NFL steht, sollen Jobs wegfallen, wie der Orlando Sentinel meldet.

Analysten wie Michael Pachter von Wedbush Morgan gehen davon aus, dass 900 der 1500 zu streichenden Stellen in der Entwicklung wegfallen werden. Dies wiederum bedeute, so Pachter im Gespräch mit Gamasutra.com, dass mehr als ein Dutzend neuer Spiele eingestampft würden.

Pachter stößt daran vor allem auf, dass EA erst jetzt offenbar gemerkt habe, dass das ein oder andere Produkt in der Pipeline wohl nicht die darin gesetzten Erwartungen erfüllen könnte.

Seite 1:

Kein Game over für Electronic Arts Deutschland

Seite 2:

Kommentare zu " Computerspiele: Kein Game over für Electronic Arts Deutschland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%