Dank guter Quartalszahlen erwarten Analysten Umtauschrelation zu Gunsten der Internettochter
Freenet gewinnt im Fusionspoker mit Mobilcom an Gewicht

Im Poker um die geplante Fusion von Mobilcom und Freenet hat nach den Quartalszahlen derzeit die Internet-Tochter Freenet gegenüber ihrer Konzernmutter Mobilcom die Nase vorn.

HAMBURG. „Das Umtauschverhältnis bewegt sich leicht zugunsten von Freenet“, meint Frank Rothauge, Analyst bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Er hatte zuletzt eine Umtauschrelation von eins zu eins angegeben. Ähnlich sieht dies Jochen Reichert, Analyst bei SES Research. „Durch die gute Ertragslage entwickelt sich derzeit das Umtauschverhältnis zugunsten von Freenet“, meint Reichert. Der nach Debitel zweitgrößte deutsche Mobilfunk-Dienstleister Mobilcom will die Tochter Freenet in den Konzern eingliedern. Mobilcom hält an Freenet mehr als 50 Prozent.

Mobilcom hat im 1. Quartal im Kerngeschäft Mobilfunk das Ergebnis vor Steuern und Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) um 5,1 Prozent auf 20,3 Mill. Euro gesteigert. Deutlich stärker wuchs hingegen die Tochter Freenet mit ihren Festnetz und Internetaktivitäten. Das Ebitda stieg hier in den ersten drei Monaten um 6,2 Prozent auf 36,8 (30,6) Mill. Euro. Für das Gesamtjahr strebt Mobilcom ein Ebitda im Mobilfunk von 60 Mill. Euro und bei Freenet von 125 bis 140 Mill. Euro an. Angesichts dieser Ertragsentwicklung gab die Mobilcom-Notierung gestern 1,1 Prozent auf 17,11 nach, der Kurs von Freenet legte hingegen 0,1 Prozent auf 19,72 Euro zu.

Bereits Ende August werde die Transaktion abgeschlossen sein, sagte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz. Eine mögliche Schadensersatzklage gegen den ehemaligen Großaktionär France Télécom (FT) werde die Fusion nicht behindern. Grenz:„Wir haben nichts, was uns aufhält. Derzeit würden Wirtschaftsprüfer die Konzerne bewerten.

Der Mobilcom-Vorstand will sich erstmals in dieser Woche mit dem Sonderprüfer treffen. Er werde danach entscheiden, ob Mobilcom auf Antrag von Aktionären gegen den Pariser Staatsriesen klagen wird. Die Aktionäre fordern von France Télécom mehrere Milliarden Euro, weil der Pariser Konzern die Büdelsdorfer Gesellschaft 2002 beim geplanten Aufbau des UMTS-Geschäfts in Stich gelassen hat. France Télécom hatte vor kurzem einen Mobilcom-Anteil von rund 27,3 Prozent an den US-Fonds Texas Pacific abgegeben und damit einen Schlussstrich unter das deutsche Engagement gezogen.

Auch Analysten rechnen nicht damit, dass die Klage den Verschmelzungsprozess belasten wird. „Ich sehe für die Fusion wenig Auswirkungen“, meint Analyst Rothauge. Nach seiner Ansicht wird es schwer zu beweisen sein, dass die Franzosen Mobilcom beherrscht und durch ihren Rückzug aus dem UTMS-Geschäft die Firma einseitig geschädigt haben.

Mobilcom will 2005 seinen Vertrieb weiter stärken, um die Zahl seiner Kunden auf 4,8 Millionen zu steigern. Im 1. Quartal zählte der Konzern 4,51 Mill. Kunden, rund 50 000 weniger als im Quartal zuvor. Grund hierfür ist, dass das Unternehmen vor allem das margenschwächere Prepaid-Geschäft zurückgefahren hat. So ist die Zahl der Prepaid-Kunden deutlich stärker zurückgegangen als Analyste Rothauge erwartet hatte. Prepaid-Kunden telefonieren deutlich weniger als Vertragskunden. Bei der Prepaid-Telefonie erhält der Kunde eine Guthabenkarte.

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