Debatte um Kleinfeld
Siemens und das Führungschaos

Bisher sieht die Situation bei Siemens ziemlich verfahren aus: Der Aufsichtsrat scheint fest entschlossen, sich möglichst schnell von Konzern-Chef Klaus Kleinfeld zu trennen, einen Nachfolger kann er jedoch nicht präsentieren, weil der Wunschkandidat bereits abgesagt hat. Doch was steckt wirklich hinter dem Personaldebakel? Eine Analyse.

cha MÜNCHEN. Es sind übereinstimmenden Berichten zufolge vor allem zwei treibendende Kräfte im Siemens-Aufsichtsrat, die Kleinfelds Demontage betreiben. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Prüfungsausschusses in Sachen Korruptionsskandal und designierter Aufsichtsratschef, will demnach einen kompletten Neuanfang machen und ist damit der Kopf hinter dem Geschehen um Kleinfeld. Dabei wird er von Josef Ackermann, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates, unterstützt.

Trotz seiner Erfolge, die vor allem Börsianer und weniger die Siemens-Mitarbeiter loben, fehlt Kleinfeld nun offensichtlich die Unterstützung im Aufsichtsrat. Es wird bereits spekuliert, das das oberste Konzerngremium in seiner Sitzung am Mittwoch seinen Vertrag, der im Herbst abläuft, nicht verlängern wird. Seit seinem Amtstritt arbeitet er mühsam daraufhin, den Konzern auf Rendite zu trimmen. Alle Bereiche des größten industriellen Arbeitgebers in Deutschland würden bis April 2007 die von seinem Vorgänger Heinrich von Pierer gesteckten Margenziele erreichen, hatte Kleinfeld versprochen und sein Verbleiben im Amt damit verknüpft. Kreisen zufolge könnte er theoretisch auf der Halbjahrespressekonferenz am Donnerstag diesen Erfolg verkünden.

Nach Pierers Rückzug als Aufsichtsratschef schien Kleinfeld im Machtgefüge des Traditionsunternehmens zunächst gestärkt. Seit dem BenQ-Debakel, den immer neuen Details über das Korruptionsgeflecht in den Siemens-Sparten und den Machenschaften im Betriebsrat an der IG Metall vorbei, brennt es jedoch im Elektronikkonzern lichterloh. Auch Kleinfeld ist so angeschlagen, dass er unpopuläre Entscheidungen kaum noch durchsetzen kann.

Doch nicht nur diese Dinge führen nun zu den Personalquerelen um Kleinfeld. So steht auch Ackermann bei Siemens unter Druck, weil er zu lange mit seinen Freund von Pierer gemeinsame Sache gemacht hat. Da der alte Siemens Oberkontrolleur persönlich eine gute Beziehung zu seinem Stellvertreter und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat, könnten Verstimmungen über Pierers Abgang eine Rolle spielen. Auch das sind sicher keine Pluspunkte für Kleinfeld.

Bei der IG Metall ging man bisher davon aus, dass Kleinfelds Vertrag wie geplant in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch verlängert wird. Deshalb ist die Gewerkschaft von der derzeitigen Entwicklung überrascht.

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