Deutsche Telekom vs United Internet
Der Abhängige wird unabhängiger

Telekom-Chef Tim Höttges fordert seine Konkurrenten regelmäßig auf, selber in Netze zu investieren. United Internet tut genau das – wenn auch vielleicht nicht so, wie es sich die Bonner gewünscht haben.

DüsseldorfWie man in den Wald schreit, so schallt es wieder heraus, sagt ein altes Sprichwort. In Bonn, bei der Deutschen Telekom, könnte man bald diesen Widerhall hören. Bei der Vorstellung der Bilanz des ersten Halbjahres erklärte Vorstandschef Timotheus Höttges: „Ich wünschte mir, dass Sie ihre Busse selber bauen würden, statt immer neue Tickets zu kaufen.“ „Sie“, das sind die Wettbewerber des Telekommunikationskonzerns, die für ihr Geschäft dessen Netz nutzen. Die Telekom muss ihnen seit der Privatisierung des Unternehmens 1996 Zugang dazu gewähren. Wiederholt hat sich Höttges darüber bereits beschwert, angesichts der Regulierung kämpfe die Telekom im Wettbewerb mit Handschellen.

Sein Unmut nahm zu, seit sich die Konkurrenz zunehmend lautstark über die aus ihrer Sicht veraltete Technik des Konzerns beschweren. Statt moderne Glasfaserleitungen zu verlegen, würde er seine alten Kabel nur technisch hochrüsten, so der Vorwurf. Höttges sagt dazu am Donnerstag: „Ich freue mich, dass die Wettbewerber sich zwar beklagen, aber beherzt zugreifen.“ Noch größer wurde offenbar seine Verärgerung, als United-Internet-Chef Ralph Dommermuth sich gegen den Vorwurf des „Trittbrettfahren“ öffentlich wehrte.

Das Unternehmen betreibt über die Tochter 1&1 Telekommunikationsdienste, lange ohne über eine eigene Infrastruktur zu verfügen. Sie mietet sich unter anderem auf den Leitungen der Telekom ein. Dommermuth hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt: „Wir kaufen jährlich für über eine Milliarde Euro Fahrkarten.“ Für diese Summe kauft United Internet Vorleistungsprodukte bei Netzbetreibern, um sie unter eigenem Namen zu vermarkten.

Das reicht dem Telekom-Chef aber offenbar nicht: Sie sollen ihre Busse, spricht Leitungen, selber bauen. Nun soll man vorsichtig sein, was man sich wünscht, heißt es in einem andern alten Sprichwort. Denn United-Internet-Chef Dommermuth macht sich zunehmend unabhängig von den Netzbetreiber, wenn vielleicht auch nicht so, wie sich Höttges und die Telekom das gewünscht hätten.

„Wir vergrößern unsere Fertigungstiefe und werden unabhängiger von der Telekom“, erklärte Ralph Dommermuth dem Handelsblatt. „Wie bei ADSL werden wir in den meisten Regionen zukünftig auch bei VDSL nur noch die letzte Meile von der Telekom mieten müssen.“ ADSL sind Internetanschlüsse, die Daten mit bis zu 24 Megabit die Sekunde (Mbit/s) transportieren, VDSL kommt derzeit auf bis zu 100 Mbit/s. United Internet baut dafür Schaltstellen im Netz aus, mit denen der eigene Datenverkehr besser gesteuert werden kann. Die Daten bleiben jedoch zu großen Teilen im Netz der Telekom.

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Telekom verdient gut an Wettbewerbern

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