Digitales Lernen
Per App zum Medizin-Examen

Viele Medizin-Studenten lernen inzwischen lieber online statt mit Büchern. Das hat der Entwickler Miamed frühzeitig erkannt und sich mit App und Website als Marktführer etabliert. Doch die Konkurrenz nimmt zu.
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DüsseldorfWenn Natalie Schröder sich an den Schreibtisch setzt und für ihr Medizinstudium lernt, dann greift sie immer seltener zu ihren Büchern – sondern zu ihrem Laptop. Ihr Ziel: die Website „Amboss“, eine digitale Wissensdatenbank zu Ursachen, Symptomen und Therapien.

„Die einzelnen Inhalte lassen sich deutlich schneller als in einem Buch suchen und sind alle miteinander verknüpft – das spart viel Zeit beim Lernen”, sagt Schröder, die an der Universität Witten/Herdecke im zehnten Semester Medizin studiert und demnächst ihr Staatsexamen macht.

Ihre Vorliebe für Amboss teilt sie mit vielen anderen: Laut Entwickler Miamed nutzen 95 Prozent aller Studenten in Deutschland die Website oder die App, um für das zweite Staatsexamen zu lernen. Denn Amboss bietet nicht nur digitale Lernkarten zu allen Fachgebieten, sondern auch die Prüfungsfragen der vergangenen Staatsexamen. Insgesamt seien mehr als 100.000 Nutzer registriert, darunter auch immer mehr Ärzte. „Wir alle lieben Bücher. Aber mit Amboss kann leider kein noch so gutes Lehrbuch aus dem letzten Jahrhundert mithalten“, sagt Sievert Weiss, einer der drei Gründer.

Mittlerweile stellen 29 deutschsprachige Universitäten ihren Studenten das Portal mit einer Campuslizenz zur Verfügung. Zudem zahlen Miamed zufolge rund die Hälfte der Nutzer selbst – sollten alle auf das Jahresabo für 72 Euro zurückgreifen, brächte allein dieses Angebot jährlich rund 3,6 Millionen Euro ein.

Was drei Medizinstudenten 2013 als kleines Projekt begonnen hatten, ist über die Jahre stark gewachsen. Nach eigener Aussage macht Miamed heute einen siebenstelligen Umsatz und beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter. Um die Inhalte kümmert sich ein eigenes Team aus Ärzten, unterstützt von Lektoren und Grafikern. „Jede Nacht spielen wir ein neues Update ein“, erklärt Weiss.

Damit sind die Entwickler heute Marktführer im digitalen Lernen für Medizinstudenten. Doch ihr größter Konkurrent, der Georg Thieme Verlag, ist gerade dabei, sich im Netz ebenfalls breiter aufzustellen. Seit Juli 2016 bietet Thieme deshalb mit „Via medici“ eine Alternative, ebenfalls mit hunderten Online-Lernmodule samt Texten, Bildern und Videos.

Bis dahin hatte der Verlag kein digitales Lernportal, sondern nur die Möglichkeit, Prüfungsfragen mit „Examen online“ zu „kreuzen“. Das heißt, tausende Multiple-Choice-Fragen aus vergangenen Prüfungen immer und immer wieder zu beantworten – die gängige Art, sich als Medizinstudent auf das Examen vorzubereiten. Diese Funktion ist nun ebenfalls in „Via medici“ integriert. Während 25 deutsche Universitäten ihren Studenten die Prüfungsfragen mit einer Campuslizenz zur Verfügung stellen, muss für „Via medici“ aber jeder weiter selbst bezahlen.

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