Düsseldorfer Terrassengespräch
Nicht immer mit den Wölfen heulen

Beim fünften Düsseldorfer Terrassengespräch debattierten die Chefredakteure von „Zeit“ „Wirtschaftswoche“ und Handelsblatt über den Qualitätsjournalismus der Zukunft. Was bleibt – und was muss sich ändern?

DüsseldorfGleich zu Beginn des Abends gab es ein dickes Lob in eigener Sache: Deutschland habe die besten Medien der Welt, sagte Giovanni di Lorenzo, seit 2004 Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“. Und doch stecken deutsche Medienhäuser – und mit ihnen der gesamte Journalismus - in einem tiefgreifenden Wandel. Die Digitalisierung hat die Anzahl der Kanäle, über die Journalisten ihre Nachrichten verbreiten können, vervielfacht.

Und nicht nur Journalisten nutzen die neuen Kommunikationswege – darunter Blogs, Twitter, Instagram oder Facebook – sondern auch immer mehr engagierte Bürger. Dazu gelangen neue Medienformate auf den Markt, von der Onlinezeitung Huffington Post über Google News bis hin zu Blendle, jenem niederländischen Start-up, das einzelne Zeitungsartikel verkauft.

Was heißt das alles für den Qualitätsjournalismus? Gleich drei Chefredakteure traditionsreicher Publikationen gingen dieser Frage am Mittwochabend beim fünften Düsseldorfer Terrassengespräch nach: neben di Lorenzo waren dies Miriam Meckel, Chefredakteurin des Magazins „Wirtschaftswoche“ sowie Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts; beide Medienmarken gehören zur Verlagsgruppe Handelsblatt.

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart zitierte zu Beginn der Veranstaltung, die aus Temperaturgründen nicht im Freien, sondern im Foyer stattfand, den Schriftsteller und Spötter Karl Kraus: Ein Journalist sei einer, der keinen Gedanken habe, aber gut darüber schreiben könne. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die die Gesprächsrunde leitete, ging sanfter mit den drei Chefredakteuren um, als sie eingangs fragte, was denn nun eigentlich Qualitätsjournalismus überhaupt sei.

Di Lorenzo, der das Selbstverständnis einiger seiner Kollegen in der Branche kennt, meinte, dass dies am Ende alle über ihre eigene Arbeit behaupten würden. „Der Begriff ist schwammig geworden.“ Afhüppe hingegen definierte Qualitätsjournalismus als unabhängigen, sorgfältigen Journalismus. „Das Gegenteil von Recyclingjournalismus, bei dem journalistische Recherche eingestellt wird, nur um schnell zu sein, und vielmehr der eine vom anderen abschreibt.“

Seite 1:

Nicht immer mit den Wölfen heulen

Seite 2:

Eine „Kultur des Verzeihens“ fehlt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%