E-Books
Verleger und Händler zittern vor den Bücherpiraten

Mit dem Siegeszug der elektronischen Bücher nimmt die Zahl der illegalen Downloads zu. Die Buchbranche fordert die Politik auf, endlich zu handeln - und findet bereits prominente Unterstützer.
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FrankfurtDie Buchbranche ist verunsichert. Der illegale Download von E-Books jagt Verlegern und Buchhändlern Angst ein. "Durch den Siegeszug des E-Books wächst die Gefahr von Diebstählen im Netz", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dem Handelsblatt. Denn mit der wachsenden Zahl elektronischer Bücher wird es immer leichter, Romane, Sachbücher und Fachliteratur illegal zu kopieren. Nach Einschätzung des Börsenvereins ist die Piraterie längst zur größten Gefahr für die fast zehn Milliarden Euro schwere Branche geworden. "Schätzungsweise werden zwei Drittel aller E-Books illegal erworben", sagt Skipis, der den Markt seit vielen Jahren kennt. Auch die vor Monaten vorgelegte Pirateriestudie im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie, des Börsenvereins und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen kommt zu dem Ergebnis, das von 23 Millionen E-Books rund 60 Prozent illegal aus dem Internet heruntergeladen worden seien.

Schäden in Milliardenhöhe

Verleger und Buchhändler fordern angesichts der dramatischen Situation die Politik jetzt auf, energisch gegen die Bücherpiraten vorzugehen. "Wir sind seit Jahren mit der Politik im Gespräch über geistigen Diebstahl. Nun wird es Zeit, dass der Gesetzgeber endlich handelt, um die Geschäftsgrundlage von Verlagen und Handel nicht zu gefährden", warnt Skipis eindringlich. "Wir mahnen an, endlich einen verlässlichen Rechtsrahmen zu schaffen, um gegen Piraterie effektiver vorgehen zu können."

Der Börsenverein schlägt vor, bei einem illegalen Download automatisch eine Warnung vor der Urheberrechtsverletzung folgen zu lassen. Sie soll Täter künftig abschrecken. Sollte sich der Pirat aber von Warnhinweisen unbeeindruckt zeigen, fordert der Verband schnelle und effektive Sanktionen für die Verletzung von Urheberrechten.

Der Gesamtschaden, der durch Piraterie der Kreativindustrie entsteht, ist nach Einschätzung unabhängiger Marktexperten gewaltig. In einer Studie zur digitalen Wirtschaft prognostizierte die Unternehmensberatung Tera Consultants für die deutsche Kreativwirtschaft bereits vor drei Jahren Umsatzeinbußen von rund 1,2 Milliarden Euro. Durch die wachsende Zahl elektronischer Bücher wächst diese Zahl nach Meinung von Marktteilnehmern nun stark an.

Wie Insider berichten, sei die Bereitschaft in der Politik, zu handeln, groß. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) gilt als der größte Unterstützer der Branche. Der Börsenverein geht davon aus, dass im nächsten Jahr entsprechende gesetzliche Vorkehrungen gegen den Missbrauch von Urheberrechten im Web getroffen werden.

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  • ... und täglich grüßt das Murmeltier.
    Das die Buchbranche extrem konservativ ist, daran besteht ja wohl kein Zweifel. Es verwundert also nicht wirklich das diese Branche absolut bereit ist den Fehler zu machen an dem die Musikindustrie bereits gescheitert ist: Den Kunden mit DRM zu gängeln. Fakt ist: Wenn ich ein Buch kaufe, dann will ich es lesen wo und wann ich will, es vielleicht verleihen oder weiterverschenken.
    Ansätze der Buchindustrie, im Rahmen des DRM nur noch ein 'Leserecht' zu verkaufen ist ja wohl ein schlechter Scherz. Ebenso lasse ich mir nicht vorschreiben das ich in meinem Leben nur 3 PC's und 3 Reader besitzen darf, denn für mehr Geräte ist eine 'Freischaltung' der Bücher nicht vorgesehen.
    Der legale Käufer wird in vielen Fällen von der Buchindustrie in die Illigalität gezwungen - will er das gekaufte ebook auf dem Gerät seiner Wahl lesen.
    Ich nutze zum Lesen eines 'paper'Buches auch die Brille die ich will, und nicht diejenige welche mit der Verlag vorschreiben will.
    Vielleicht sollte die selbstverliebte Buchbranche von der Musikindustrie lernen, denn diese hat - oh Wunder - nach Aufgabe des DRM-Gängelungswahnsinns plötzlich wieder mehr Umsätze im digitalen Verkauf verzeichnet.

  • Damit ich nicht missverstanden werde: Natürlich kann ein Leser das Buch für sich selbst einscannen, aber er darf den Scan nicht online stellen.

  • Es mag ja Verleger geben, die ihre Schampus aus den Hirnschalen ihrer Autoren trinken, aber Tatsache ist, dass viele Autoren weder in der Lage sind, ohne einen guten Lektor ein Buch druckreif zu machen, noch es ohne Verlag bekannt zu machen. Books on Demand gibt es seit Jahren, aber bis heute dominieren sie keineswegs den Literaturmarkt. Nur wenige Autoren verdienen damit tatsächlich gutes Geld. Bei Bestseller-Auflagen ist das klassische Verlagsmodell noch immer am effizientesten; bei Kleinauflagen und im Longtail des Backlist-Markts verdienen die Autoren so oder so nicht genug, um davon ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.
    Entscheidend ist aber, dass der Autor allein das Recht hat, zu bestimmen, in welcher Form er seine Werke an die Leser bringen will. Ein Recht des Lesers auf eigenmächtiges Einscannen eines nicht elektronisch lieferbaren Buchs kann es nicht geben: Wer als Autor heute seine Werke als e-Books und Print-on-Demand herausbringen will, kann das tun - aber niemand hat das Recht, ihm dabei hineinzureden, wenn er sich lieber einem Verlag anvertraut.

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