Einstweilige Verfügung wegen Patentdiebstahls beantragt
Waymo will Ubers selbstfahrende Autos stilllegen

Waymo, die früherer Tochter von Google für selbstfahrende Autos, will per Einstweiliger Verfügung Ubers Forschung für selbstfahrende Autos stilllegen. Es geht um angeblichen Patentdiebstahl und Ubers Zukunft.
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San FranciscoEs geht um den angeblichen Diebstahl von riesigen Datenmengen von Waymo-Servern durch einen Mitarbeiter, der danach das Unternehmen verließ und ein Start Up für selbstfahrende Autos in San Francisco gründete. Nur wenige Monate danach übernahm Uber das frische Unternehmen namens Otto für erstaunliche 680 Millionen Dollar. Kurz darauf konnte Uber Testfahrten mit eigenen selbstfahrenden Autos starten. Alphabet, die Holdinggesellschaft in der heute Google und Waymo beheimatet sind, hat Ende Februar Klage gegen Uber, das übernommene Start Up und dessen Gründer Anthony Levandowski eingereicht. Der Vorwurf lautet auf Datendiebstahl und Patentmissbrauch.

Jetzt fordert Waymo faktisch einen totalen Stop der Entwicklungsarbeiten an selbstfahrenden Autos bei Uber, bis der juristische Streit um den angeblichen Diebstahl und Patentverletzungen geklärt ist. Uber soll es untersagt werden mit seiner Flotte selbstfahrender Autos Testfahrten durchzuführen. Das könnte den Konzern um Jahre zurückwerfen. Die Papiere wurden am Freitag vor Gericht in San Francisco eingereicht und eine erste Anhörung ist für den 27. April vorgesehen. Uber hat alle Anschuldigungen als haltlos zurückgewiesen. Ein Waymo-Sprecher begründete gegenüber dem Handelsblatt das harte Vorgehen: "Wettbewerb sollte in den Laboratorien und auf der Straße stattfinden, nicht durch illegale Aktionen. Angesichts der starken Beweislage bitten wir das Gericht unser geistiges Eigentum zu schützen, in das unsere Ingenieure tausende von Arbeitsstunden investiert haben.

In den neuen Papieren, die dem Handelsblatt vorliegen, werden eidesstattliche Erklärungen mehrerer Mitarbeiter gegeben, darunter ein Computer-Forensiker, der Levandowskis früheren Arbeits-Laptop untersucht hat. Der Computer-Experte Gary Brown erklärt darin, dass Levandowski 14.000 Dateien mit vertraulichem Inhalt heruntergeladen habe. Das ließe sich relativ leicht nachweisen, da er einen Google-eigenen Rechner verwendet habe. Wenn solch ein Gerät auf Google-Server zugreift, werden diese Zugriffe und ihr Zweck (zum Beispiel Download) gespeichert.

Aufgeflogen war die Sache, als Waymo von einem Zulieferer versehentlich als CC auf einer E-Mail eingefügt wurde, die eigentlich nur für Uber bestimmt war. Die darin enthaltenen Design-Zeichnungen und Spezifikationen hätten eine verblüffende Übereinstimmung mit dem von Waymo entwickelten „Lidar“ aufgewiesen. Ein Lidar ist eine Art laser-basiertes superfeines Radar, mit dem Entfernung und der Standort von Objekten extrem genau festgestellt werden kann.
In einem weiteren Papier wird ein Hardware-Ingenieur von Google zitiert, dem Levandowski angeblich schon 2015 erzählt habe, er habe sich mit Brian McClendon getroffen, der bei Uber im Team für selbstfahrende Autos arbeitet. Er habe Levandowski gesagt, Uber habe Interesse, das Lidar-Team von Google „zu kaufen“.

Uber steckt jetzt in einer schwierigen Situation. „Wenn Waymo nach einem langen Prozess und vielen Berufungen gewinnen sollte“, so Raj Rajkumar, Professor an der Carnegie Mellon Universität gegenüber dem Technik-Portal „The Verge“, „könnte die Summe aus Strafen und Schadenersatz atemberaubend sein. Wenn Waymo nachweisen kann, Uber hat gewußt, dass Otto im Besitz der Lidar-Technik von Waymo war, kann ich nicht erkennen, wie Uber neue institutionelle Investoren finden wird.“ Obwohl unbestrittener Marktführer bei den Taxi-Konkurrenten, schreibt Uber noch immer Verluste und ist auf frisches Geld von den Kapitalmärken angewiesen.

Kommt die Alphabet-Tochter mit der Einstweiligen Verfügung durch, müsste Uber sämtliche Testfahrten mit selbst-fahrenden Autos und den umstrittenen Lidar-Modulen womöglich über Jahre hinaus stoppen. Das wäre praktisch erst einmal das Ende dieser Sparte.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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