Ergebnis über Erwartungen
Auslandsgeschäft beflügelt Amazon

Der Internet-Händler wächst kräftig und erhöht die Umsatzprognose für das Jahr 2004.

je/jojo PORTLAND/MÜNCHEN. Die USA geraten langsam ins Hintertreffen: Im abgelaufenen Quartal hat das amerikanische Internetkaufhaus Amazon.com erstmals so viele Waren außerhalb des Heimatmarktes verkauft wie in den USA. „Der Auslandsanteil am Umsatz steigt kontinuierlich“, freut sich Ralf Kleber, der Chef des Deutschland-Geschäfts von Amazon.

Im ersten Quartal kletterten die internationalen Umsätze – das Segment umfasst Großbritannien, Deutschland, Japan und Frankreich – währungsbereinigt um 58 %. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem viele neue Angebote, die das Unternehmen aus Seattle ins Sortiment genommen hat. So gibt es in Deutschland jetzt auch Artikel für Heimwerker und Hobbygärtner. Kleber: „Die neuen Angebote kommen sehr gut an.“

Die Ergebnisse des Online-Kaufhauses lagen insgesamt deutlich über den Erwartungen. Die Zahlen enttäuschten jedoch eine Börse, die in jüngster Zeit von außerordentlich guten Ergebnissen verwöhnt worden war. Vor allem das Internet-Auktionshaus Ebay hatte alle Prognosen weit übertroffen.

So zog der Amazon-Kurs am Donnerstag vor Veröffentlichung der Quartalszahlen in Erwartung einer ähnlich positiven Überraschung kräftig an. Das nach Börsenschluss veröffentlichte Ergebnis und vor allem die vorsichtige Prognose für das gesamte Jahr wirkten aber wie eine kalte Dusche. Am Freitag gab der Kurs den größten Teil der Gewinne wieder ab. Während das Internet-Auktionshaus Ebay derzeit auf einem Allzeit-Hoch notiert, liegt der Amazon-Kurs mehr als die Hälfte unter seinem Höchststand während des High-Tech-Booms im Jahr 2000.

Der Grund für die Skepsis der Börsen: Analysten weisen darauf hin, dass Amazon nur deshalb bei den Kunden punkten kann, weil die Preise gesenkt wurden und die Waren kostenlos versendet werden. In den USA sind Sendungen ab 25 $, in Deutschland an 20 Euro kostenfrei.

Die Analysten zeigten sich enttäuscht, dass der Preiswettbewerb für Amazon wichtiger ist als die laufende Erweiterung des Sortiments. „Wir treiben Wachstum durch niedrige Preise“, sagte Amazon-Gründer und Vorstandschef Jeff Bezos mit Bezug auf den jüngst gestarteten Online-Verkauf von Schmuck und Juwelen. „Die Margen lassen weiter zu wünschen übrig“, sagte dagegen ein US-Analyst. „Niedrige Preise über die gesamte Breite des Sortiments sind ein wichtiges Verkaufsargument“, rechtfertigt sich wiederum Deutschland-Chef Kleber. „Und die Kunden schätzen es, dass wir ihnen keine Versandgebühren berechnen.“

Doch nicht nur Zugeständnisse an die Kunden trieben die Umsätze. Auch der schwache Dollar war laut Finanzchef Tom Szkutak einer der Gründe dafür, dass der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 41 % auf 1,53 Mrd. $ (umgerechnet 1,29 Mrd. Euro) stieg. Nach einem Verlust von 10,1 Mill. $ vor einem Jahr meldete Amazon nun einen Reingewinn von 111 Mill. $ oder 0,26 $ pro Aktie für das erste Quartal 2004. Analysten hatten mit 0,19 $ pro Anteil bei Erlösen von 1,45 Mrd. $ gerechnet. Der Umsatz in den USA und Kanada wuchs mit 20 % wesentlich schwächer als die Auslandserlöse.

Für das gesamte Jahr erwartet Amazon nun zwischen 6,45 und 6,85 Mrd. $ Umsatz und liegt damit im unteren Bereich der Prognosen der Experten. Amazon schloss 2003 zum ersten Mal ein Jahr mit schwarzen Zahlen ab. Im Gegensatz zu Ebay hält sich das Unternehmen aus Seattle mit Werbung zurück. Ebay gab für Marketing im vergangenen Quartal 200 Mill. $ aus, Amazon nur etwa 30 Mill. $.

Dennoch geht Deutschland-Manager Kleber davon aus, dass die Einnahmen im Rest des Jahres weiter stark steigen werden. „Wir investieren in neue Technologien und neue Angebote. Da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.“ Vor allem im internationalen Geschäft sei ein weiteres kräftiges Wachstum zu erwarten, sagte Kleber voraus.

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