EU prüft Knebelverträge
Google trickst – oder ist zu gut für diese Welt

Bei der Suche stehen Google-Dienste ganz oben, die Konkurrenz dahinter. Ob das mit rechten Dingen zugeht, prüft jetzt die EU-Kommission. Die Amerikaner sollen ihre Marktmacht ausgenutzt haben, um Werbepartnern Knebelverträge zu diktieren.
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DÜSSELDORF. Die Vorwürfe wiegen schwer: Der Such- und Werberiese Google soll Web-Suchergebnisse manipuliert und seine fast monopolartige Marktmacht bei Suchmaschinenwerbung ausgenutzt haben, um Werbepartnern Knebelverträge zu diktieren - oder sie rauszuschmeißen. Seit Februar hat die EU-Kommission informelle Vorermittlungen durchgeführt. Jetzt geht sie einen Schritt weiter: ein formelles Ermittlungsverfahren wird eröffnet. "Das ist schon ernst", kommentiert Medien- und Google-Experte Ralf Kaumanns von der Consulting-Firma Accenture Deutschland. "Wenn die gar nichts in der Hand hätten, würden sie das nicht machen." Und es könnte noch schlimmer kommen, wenn sich jüngst aufgetauchte Gerüchte erhärten sollten: Google benachteiligt angeblich nicht nur andere, sondern setzt sogar die eigenen Dienste aktiv auf die besten Plätze, behauptet Professor Ben Edelmann aus Harvard.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia war am Dienstag in Brüssel allerdings bemüht, die Wogen der Aufregung zu glätten: "Es ist zu früh dafür zu sagen, ob es ein Problem mit der Geschäftspolitik Googles gibt", betonte er vor der Presse. Aber der Fall bekomme jetzt "höchste Priorität", genau wie bei Google, wie Sprecher Kay Oberbeck gegenüber dem Handelsblatt erklärte: "Wir nehmen das sehr ernst und arbeiten eng mit der Kommission zusammen."

Das hat Gründe: Am Ende eines Wettbewerbsverfahrens könnten harte Auflagen bei der Vermarktung der Online-Werbung drohen, sowie der Zwang, die Kriterien offenzulegen, nach denen Webseiten bei der Ergebnisfindung der Suchmaschine bewertet werden. Wettbewerber könnten sich daran orientieren.

Daneben drohen hohe Geldstrafen und im schlimmsten Fall der Druck zur Veröffentlichung der geheimen Formel, nach der die Suchergebnisse gewichtet werden. Sie ist für Google in etwa so wichtig wie für Coca Cola das geheime Originalrezept der Brause.

Den langen Arm der EU-Wettbewerbshüter hatte in der Softwarebranche vor Google zuletzt der Softwaregigant Microsoft gespürt. Nach jahrelangem Streit um Vertriebspraktiken bei Windows und Internet-Explorer musste Microsoft-Chef Steve Ballmer milliardenschwere Strafen und Auflagen für den Vertrieb akzeptieren.

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  • Meiner Ansicht nach wäre Google schön blöd so etwas zu tun.
    Millionen von Usern auf der Welt vertrauen darauf das Suchergebnisse nach Relevanz, beleibtheit und Qualität ausgesucht werden.

    Sollte Google das zu seinem Vorteil nutzen, dann verlieren Sie das Vertrauen der Suchenden im Netz.

    Noch schlimmer das Vertrauen ihrer Werbekunden, denn 90% aller Anzeigen im Netz stammen von Google.

    Wer ist als Kaufmann so blöd uns sägt an einem funktionierenden, sehr beliebtem Geschäftsmodell, das Milliarden von Umsätzen generiert?

    ich hoffe nicht Google inc.

  • Natürlich gelten für Quasi-Monopolisten etwas härtere Regeln - aber ehrlich gesagt könnte ich nichts Überraschendes oder Verwerfliches daran finden, wenn Google eigene Dienst im Suchergebnis nach oben zieht oder keine Werbeverträge mit Konkurrenten oder deren Tochterunternehmen abschließt. Google ist immernoch ein gewinnorientiertes Unternehmen und kein gemeinnütziger Verein oder eine behörde mit Grundversorgungsauftrag.

  • Google gewichtet nach dem interesse der Nutzer. Wenn ein Kartendienst klagt, seine Angebote lägen stets hinter denen von Google, dann könnte dies auch daran liegen, daß seine Karten für die Nutzer weniger interessant sind. Ja, und? Wollen wir zulassen, daß Erfolg mit dem eigenen Produkt juristisch einklagbar wird?

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