Facebook
Yahoo-Klage könnte massive Folgen haben

Yahoo gegen Facebook: Das Internet-Urgestein Yahoo macht Ernst mit seiner Drohung und klagt gegen Facebook. Bisher haben die sich unbeeindruckt gezeigt, doch jetzt wird klar: Es kann ganz schön teuer werden für Facebook.
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San FranciscoAm 12. März zog Yahoo gegen Facebook wegen Patentverletzungen vor Gericht. Bislang hat der Börsenkandidat eisern geschwiegen. Jetzt wird gegenüber der Börsenaufsicht SEC eingeräumt: das kann im schlimmsten Falle ziemlich teuer für uns werden. Und die Zeit arbeitet gegen Facebook.

In einer neuen Fassung des Börsenprospekts bei der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC heißt es, das Verfahren mit Yahoo sei noch in einer sehr frühen Phase und ein mögliches Ergebnis noch nicht abzusehen. Allerdings könnte ein negativer Ausgang „massive Auswirkungen auf das Geschäftsmodell, die finanzielle Situation und das Ergebnis haben“. Facebook habe bislang weder auf die Klage vor dem Distriktgericht in Nordkalifornien geantwortet, noch irgendwelche Gegenklagen eingereicht. Erst vor wenigen Tagen hat Facebook nach unbestätigten Meldungen 750 Patente von IBM für eine ungenannte Summe eingekauft, um sich für kommende Patentklagen zu rüsten. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte Eric-Michael Gill, Rechtespezialist bei der Investmentfirma MDB Group, der IBM-Deal dürfte „hunderte Millionen Dollar“ gekostet haben. IBM und Facebook kommentierten die Meldungen nicht. Davor waren bereits Patente vom Social-Network-Oldtimer Friendster und von HP auf Facebook übertragen worden.

Aktuell geht es um zehn Patente, die Webpionier Yahoo verletzt sieht. In der Klageschrift finden die Anwälte klare Worte: „Das gesamte Modell von Facebooks sozialem Netzwerk, das es Nutzern erlaubt Profile anzulegen und mit anderen, zum Beispiel Firmen und Personen, zu kommunizieren, basiert auf Yahoos patentierter Netzwerktechnologie“, heißt es in dem 19 Seiten starken Schriftsatz unter anderem. Daneben: „Bevor Facebook 2008 die von Yahoo patentierten Netzwerkmodelle angewandt hat, gehörte die Seite zu den schlechtesten Adressen für Werbeschaltungen im Internet.“ Gefordert wird jetzt nicht nur Unterlassung und Schadenersatz in noch ungenannter Höhe, sondern auch noch eine Vervielfachung der Strafe wegen vorsätzlicher Patentverletzung. Facebook ist im Silicon Valley durchaus dafür bekannt, dass nach Wild-West-Manier zuerst einfach mal geschossen und hinterher gefragt wird. Das gilt für die Einführung neuer Regeln beim Datenschutz, neuer Produkte oder Werbeformen, vielleicht auch für Patentfragen.

Immerhin gehört das Netz mit heute rund 800 Millionen Nutzern zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt. Da bleibt wenig Zeit für Fragen, wenn man immer an der Spitze bleiben will. Gründer Mark Zuckerberg selbst schreibt im Börsenprospekt, es sei der Art das Unternehmen„wie ein Hacker“ zu führen, die das schnelle Wachstum erst ermöglicht hätte. Für ihn bedeutet Hacker sein allerdings nicht, in fremde Computernetze einzudringen, sondern Ideen schnell umzusetzen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind. Vielleicht war man ja in Palo Alto das ein- oder andere mal etwas zu schnell gewesen.

Eine Schadenersatzsumme wird in dem elektronisch bei Gericht eingegangenen Schreiben noch nicht genannt, aber Facebook soll untersagt werden, mit eben diesen Technologien zu arbeiten, im Prinzip also in weiten Teilen geschlossen werden. Das hört sich verwegen an, ist in der Technologiewelt aber nicht undenkbar. 2006 stand etwa das amerikanische Blackberry-Netz nur wenige Stunden vor der gerichtlich verfügten Abschaltung, weil angeblich einige wenige Patente einer winzigen Firma aus Virginia, NTP, verletzt worden waren. Blackberry zahlte 612 Millionen Dollar in einem Vergleich, um dem Abschaltungs-Gau zuvorzukommen. Aktuell versuchen auch Apple und Microsoft Googles Mobilfunkbetriebssystem Android über den Patentweg auszuschalten.

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