Film- und Medienfirmen
Die Suche nach der verlorenen Balance

Bei Film- und Medienfirmen öffnet sich die Schere zwischen Börsenbewertung und Unternehmensleistung bedrohlich – Experten warnen bereits vor den Risiken.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Mit Selbstlob sparen Filmfirmen nie. Das ist auch bei Constantin Film nicht anders. Als das beste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte pries Vorstandschef Fred Kogel im Frühjahr bei der Vorstellung der Bilanz das abgelaufene Jahr. Der Umsatz des größten konzernunabhängigen Filmproduzenten („Das Parfüm“) in Deutschland steigerte seinen Umsatz um 26 Prozent auf 270 Mill. Euro.

Was der frühere Sat-1-Chef aber nicht so gerne herausstellt, ist die enttäuschende Rendite von knapp über fünf Prozent: Nur schmale 15 Mill. Euro erzielte der Filmproduzent an Betriebsergebnis. Auch die übrigen wirtschaftlichen Kennziffern sind bescheiden. Doch das stört Anleger nicht. Der Aktienkurs von Constantin klettert unaufhörlich. Allein in den vergangenen sechs Monaten hat er sich verdoppelt. „Der Kurs stimmt bei Constantin nicht mehr mit der Leistung des Unternehmens überein“, sagt Analyst Michael Schatzschneider von der Commerzbank. „Die alten Übernahmephantasien haben den Aktienkurs beflügelt.“ So wird in Münchener Medienkreisen seit Monaten darüber spekuliert, dass Constantin und die auf Sport spezialisierte Medienfirma EM.TV fusioniert werden könnten.

Constantin Film ist kein Einzelfall. Die Aktienkurse der meisten Film- und Medienunternehmen sind in den vergangenen anderthalb Jahren regelrecht explodiert. Doch die wirtschaftliche Entwicklung der Branche hält damit nicht Schritt. Im Gegenteil: Kapitalausstattung und Renditekennziffern sinken während die Marktkapitalisierung in die Höhe schießt. „Damit steigt auch das Risiko für Investoren“, sagt Christian Zwirner von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Kleeberg & Partner in München.

Gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Kuhn, Kammann & Kuhn (KKK) aus Köln hat Kleeberg zehn Lizenzhändler, Fernsehsender sowie Filmproduzenten aus Deutschland analysiert. Die Studie „Total Balance“ umfasst bilanzielle wie inhaltliche Aspekte der Finanzkommunikation.

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