Filmbranche
Immer weniger Kinos in Deutschland

In Deutschland werden immer mehr Kinos geschlossen. Neben der Konkurrenz durch Heimkino-Anlagen können Filmtheaterbetreiber keine Preiserhöhungen durchsetzen. Die Besucherzahlen können indes ein Plus verzeichnen.
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DüsseldorfOpulente Heimkino-Anlagen und große Flachbildschirme setzen die Kinos unter Druck. Die Zahl der Filmtheater geht angesichts der technischen Aufrüstung der heimischen Wohnzimmer zurück. Nach Angaben der Filmförderanstalt (FFA) wurden im ersten Halbjahr 105 Kinos geschlossen. Dem standen lediglich 53 Neueröffnungen gegenüber. Erstmals seit 13 Jahren sank die Zahl der Sitzplätze unter 800 000. Der Konsolidierungsprozess ist damit in vollem Gange. Kinoketten wie die börsennotierte Cinemaxx hatten schon in der Vergangenheit an schwierigen Standorten Kinos geschlossen.

Die Strategie der deutschen Filmtheater, mit Preiserhöhungen profitabler zu werden, geht nicht auf. Denn trotz des Erfolgs dreidimensionaler Filme stagniert der Eintrittspreis. Im ersten Halbjahr kosteten Kinotickets im Schnitt 7,36 Euro. Im Vorjahreszeitraum lag der Preis bei 7,34 Euro.

Die Filmtheaterbranche, die sich bisweilen gern die Marktlage schönredet, strotzt dennoch vor Zuversicht. „Nach dem eher durchwachsenen Kinojahr 2010 zeigen die Halbjahreszahlen, ohne sie überzubewerten, eine durchaus positive Entwicklung auf“, sagte Peter Dinges, Vorstand der Filmförderanstalt (FFA) gestern. „Dies gilt auch für den deutschen Film, dessen Marktanteil seit dem Jahr 2005 auf einem erfreulich hohen Niveau steht.“ Der Marktanteil deutscher Produktionen hat sich laut FFA bei knapp über 20 Prozent gehalten.

Der mit Abstand erfolgreichste deutsche Film im ersten Halbjahr war mit 4,3 Millionen Besuchern die preiswert produzierte Komödie „Kokowääh“ von und mit Til Schweiger. Auf den heiteren Berliner Beziehungsfilm entfiel jede dritte Eintrittskarte bezogen auf Filme, die in Deutschland produziert wurden. „Kokowääh“ hat seit seinem Start Anfang Februar mehr als 30 Millionen Euro eingespielt.

Nach FFA-Angaben haben die deutschen Kinos mit insgesamt 61,5 Millionen Zuschauern ein Plus von 2,2 Prozent verzeichnet. Mit Erlösen von 453 Millionen Euro erreichte die Branche nach eigenen Angaben das beste Einspielergebnis seit dem Jahr 2002.

Doch nicht alle Marktteilnehmer konnten davon profitieren. Branchenprimus Cinemaxx, der mehrheitlich dem Medienunternehmer Herbert Kloiber (Concorde, RTL 2, Tele 5) gehört, musste in den ersten sechs Monaten bei Erlösen und Besuchern Rückgänge verkraften. Die angeblich mangelnde Versorgung mit attraktiven Hollywood-Filmen setzten dem Multiplex-Betreiber zu. Die Zahl der Kinogäste bei Cinemaxx belief sich im ersten Halbjahr auf nur noch 7,4 Millionen (Vorjahreszeitraum: 8,3 Millionen). Die Erlöse gingen auf 94 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 101 Millionen) zurück.


Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Filmbranche: Immer weniger Kinos in Deutschland"

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  • Warum soll ich ins Kino gehen?

    1. Allgem. Lautstärken die jedem Schwerhörigen vieleicht gefällt, einem gesunden Menschen fast das Trommelfell platzen lässt.

    2. Fast ausschl. anspruchslose Amerikanischen-Schwachsinns-
    Filme.

    3. Für den Eintrittspreis hole ich mir lieber ein
    gepflegtes Bier und setz mich vor die "Klotze".



    3. F

  • Deutsche Kinos zeigen ja auch leider hauptsächlich Filme mit deutscher Synchronisation. Ich finde das katastrophal und gehe allein schon deswegen in Deutschland nicht mehr ins Kino. Davon abgesehen läuft ja eigentlich eh nur noch Schmarrn und Explosionen, Aktion und immer größere Budgets haben längst Handlung, Charaktäre und Filmkunst ersetzt. Ich bin mir sicher, daß sich Programmkinos nach wie vor halten und in die zitierte Statistik nicht eingefloßen sind.

  • Sorry, aber wenn man für einen gewöhnlichen Film 8-9 Euro eintritt verlangt und den Gästen dann noch verbietet, eigenen Verzehr mitzubringen, sonder dazu zwingt, eines der teuren Menüs für mindestens 6 Euro (small) zu kaufen, dann braucht ihr Kinobesitzer euch echt nicht wundern. Dann kostet ein Kinobesuch zu zweit schonmal locker 35 Euro und mehr! Da sind Kinox.to und der Supermarkt um die Ecke die deutlich bessere Variante! Sei es nun legal oder nicht. Aber über Legalität brauchen wir hier in der Wirtschaft ja sowieso nicht mehr diskutieren, jeder macht hier eh, was er will!

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