Finanzvorstand geht sofort
Premiere rechnet 2008 überraschend mit Verlust

Der Bezahlfernsehsender Premiere rechnet für das laufende Jahr mit einem deutlichen Verlust im operativen Geschäft. Nach Bekanntwerden der Nachricht hat der Finanzvorstand des Unternehmens sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Nun verhandelt der Sender mit seinen Banken über die Restrukturierung von Kreditvereinbarungen. Der Kurs der Premiere-Aktie gab nachbörslich deutlich nach.

HB FRANKFURT/MÜNCHEN/BERLIN. Für 2008 werde vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ein Verlust von 40 bis 70 Mill. Euro erwartet, teilte Premiere am Donnerstagabend überraschend mit. „Als Konsequenz der Ebitda-Prognose hat die Premiere AG Gespräche mit ihren Banken über die Restrukturierung von Kreditvereinbarungen aufgenommen.“ Das Unternehmen, das zu gut einem Viertel dem Medienkonzern News Corp des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch gehört, zeigte sich zuversichtlich, eine Einigung mit den Banken zu erzielen.

Zudem legte Finanzvorstand Alexander Teschner sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Premiere-Chef Mark Williams die Verantwortung für das Finanzressort. Williams, ein Vertrauter Murdochs, sitzt selbst erst seit Mitte September auf dem Chefsessel.

Premiere gab weiter bekannt, nach einer neuen Klassifizierung zum 30. September insgesamt 2,411 Mill. direkte Abonnenten besitzen. 940 000 Abonnenten, die nach der alten Klassifizierung enthalten waren, seien herausgerechnet worden. Die aktuelle Abonnentenzahl setzt sich laut Premiere aus 2,293 Mill. Abonnenten, die mindestens ein Premiere-Programmpaket abonniert haben, und 118 000 Abonnenten, die Pay-Per-View und andere Pre-Paid-Leistungen aus dem Premiere-Flex-Angebot beziehen, zusammen. Die neue Klassifizierung entspreche der von anderen Pay-TV-Unternehmen.

Eine Kapitalerhöhung plane der Sender derzeit nicht. Er sei mit den Verhandlungen mit den Banken über neue Kreditlinien zufrieden, sagte der neue Vorstandschef Mark Williams. Weitere Details wollte Williams mit Verweis auf die Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal im November nicht nennen.

Im August hatte der damalige Premiere-Chef Michael Börnicke für 2009 die Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht gestellt. Im zweiten Quartal verbuchte das Münchener Unternehmen einen Nettoverlust von 37,8 Mill. Euro. Das Ebitda belief sich von April bis Juni auf 11,2 Mill. Euro. Der Kurs der Premiere-Aktie fiel nachbörslich um 13,79 Prozent auf 8 Euro.

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