Fotoindustrie
Spiegelreflex rettet den Kameramarkt

Schnappschüsse werden immer häufiger mit dem Smartphone gemacht. Darunter leidet die klassische Kamera, sie geht nicht mehr so häufig über den Ladentisch. Eine Bedrohung sei das Smartphone dennoch nicht, heißt es.
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KölnBeim Geschäft rund um das Foto verschiebt sich der Fokus: Die klassische Kamera wird weniger, weil das Fotografieren mit dem Smartphone rasant zunimmt. Der Verkauf von Kameras werde 2012 voraussichtlich auf 7,9 Millionen Geräte zurückgehen - nach 8,6 Millionen Stück im Vorjahr, berichtet der Photoindustrie-Verbands (PIV) eine Woche vor Start der weltgrößten Fotomesse photokina in Köln.

Wertmäßig bleibe es aber bei einem unveränderten Umsatz von 1,72 Milliarden Euro für die Kameras. Grund: Die gefragten Spiegelreflexkameras und Systemkameras sind deutlich teurer geworden. Alle Segmente eingerechnet wächst der Fotomarkt robust um 3,6 Prozent auf gut 7,7 Milliarden Euro im laufenden Jahr.

Er sehe die boomenden Smartphones nicht als „Bedrohung“, betonte PIV-Geschäftsführer Christian Müller-Rieker am Dienstag. Deren Siegeszug hält nach Verbandsprognose mit einem Absatzplus von 38 Prozent auf 20 Millionen Geräte 2012 an. Smartphones würden aber vor allem für den Schnappschuss genutzt - und die Nutzer kauften sich später oft noch eine hochwertige Kamera dazu, sagte der Geschäftsführer.

Bei den kleinen Kompaktkameras zeichnet sich dennoch eine Auswirkung ab: Ihr Verkauf sinkt von 7,5 Millionen (2011) auf 6,7 Millionen Geräte. Ein Minus gibt es auch für Camcorder.

Müller-Rieker erklärte, sein Verband zähle die Smartphones inzwischen in den Fotomarkt hinein. Alles andere sei nicht mehr „zeitgemäß“. Nach dieser Definition klettert der Gesamtumsatz 2012 voraussichtlich um 20 Prozent auf knapp 17,5 Milliarden Euro. Fast die Hälfte - 8,4 Milliarden Euro - entfällt demnach auf Smartphones und Kamerahandys.

Zu den Umsatzbringern zählt die Branche weiterhin die Spiegelreflexkamera: Hier wird für 2012 mit einem Absatzplus von einem Prozent gerechnet - auf dann 980 000 Stück. Die handliche Systemkamera als noch relativ junges Produkt legt zweistellig zu auf 180 000 verkaufte Geräte. Beide sind teuer geworden: Der Durchschnittspreis für die digitale Spiegelreflexkamera stieg in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 70 auf 700 Euro, für eine kompakte Systemkamera um 60 auf 530 Euro.

Hoffnungen setzt die Branche in die neu eingeführte Action Cam, die beim Outdoor-Sport auf Mottoradhelm oder Skateboard befestigt wird und sportliche Aktivitäten aufzeichnet. Davon sollen 2012 schon 150 000 Stück verkauft werden.

Fast jeder Verbraucher bundesweit besitzt inzwischen mindestens ein Aufnahmegerät, die meisten nutzen gleich mehrere. Rund 34 Millionen Aufnahmegeräte werden 2012 insgesamt verkauft. Alle drei, spätestens fünf Jahre legt sich der Konsument eine neue Kamera zu. Bei der alle zwei Jahre stattfindenden photokina - diesmal mit rund 1160 Anbietern aus 41 Ländern - steht auch die kabellose Übertragung von Bildern im Mittelpunkt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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