Französischer Werbekonzern legt Abschlüsse mit sechs Monaten Verspätung vor – Kunden wandern ab
Interpublic räumt die Bilanzen auf

Der Werbekonzern Interpublic kommt bei der Bewältigung seiner Bilanzprobleme voran. Mit einem halben Jahr Verspätung präsentierte CEO Michael Roth jetzt den Jahresabschluss 2004 sowie die Zahlen für das erste und zweite Quartal dieses Jahres.

FRANKFURT/M. „Diese Zahlen sind die richtigen“, sagte Roth in einer Telefonkonferenz. Das Unternehmen habe die Bilanzen der vergangenen fünf Jahre gründlich überarbeitet.

Danach hat das Unternehmen im vergangenen Jahr mit 94,3 Mill. Dollar im operativen Geschäft zwar rund zweimal mehr Verlust gemacht als noch 2003, konnte ihn allerdings im ersten Halbjahr 2005 schon deutlich reduzieren. Der Gesamtumsatz stieg 2004 um rund 3,7 Prozent auf 6,4 Mrd. Dollar. Im ersten Halbjahr 2005 legte das Unternehmen um rund 1,5 Prozent auf 2,9 Mrd. Dollar zu.

Fehlbuchungen im Zusammenhang mit Zukäufen aus den Jahren 1996 bis 2001 hatten beim drittgrößten Werbekonzern der Welt für einen Bilanzskandal gesorgt. Bereits 2002 war das Unternehmen, zu dem Werbeagenturen wie McCann-Erickson, Lowe und Foote Cone Belding gehören, deswegen in finanzielle Schieflage geraten. Der damalige CEO John Dooner wurde abgelöst. Michael Roth, der im Januar dieses Jahres das Amt des CEO von David Bell übernahm, nahm die Bilanzen genauer unter die Lupe. Wenige Wochen nach Amtsantritt gab er bekannt, den Jahresabschluss 2004 und die Zahlen für das erste Quartel – und später auch für das zweite – wegen einer Überprüfung nicht rechtzeitig vorlegen zu können.

Die Märkte reagierten positiv auf die jetzt vorgelegten Zahlen: Immerhin hatte Interpublic mit der Vorlage am 30. September die Frist zur Bilanzvorlage bis auf den letzten Tag ausgereizt. Sonst wären Vertragsstrafen fällig gewesen. Analysten der Deutschen Bank erklärten, dass die überarbeiteten Ergebnisse insgesamt nicht so schlecht ausgefallen seien wie erwartet.

Auch wenn Interpublic auf diese Weise langsam wieder das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen kann, bleibt für Michael noch ein gutes Stück Arbeit zu tun, um den für Mitte 2006 angekündigten Turnaround zu erreichen. Denn der Konzern hat in den vergangenen Monaten zahlreiche große Kunden verloren, darunter den Elektronik-Konzern Samsung, sowie jüngst den auf 600 Mill. Dollar geschätzten Etat der Bank of America. General Motors und L’Oréal haben zudem ihre Mediabudgets zur Konkurrenz umgeschichtet. Das lasse Interpublic im Mediageschäft deutlich an Größe verlieren, sagte Bear-Stearns Analystin Alexia Quadrani dem Wall Street Journal. Im März konnte die Interpublic-Tochter McCann-Erickson allerdings den Gewinn des weltweiten Intel-Etats verkünden.

Mit einer Wachstumsquote von 1,5 Prozent im ersten Halbjahr 2005 liegt Interpublic deutlich hinter den Wettbewerbern zurück. US-Konkurrent Omnicom, zu dem unter anderem die Agenturen BBDO und DDB gehören, wuchs um acht Prozent. Und die in London ansässige Werbeholding WPP legte um rund sechs Prozent zu.

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