Frist läuft ab
Saban hat es mit Verkauf von Pro Sieben Sat 1 eilig

Der Verkauf der größten deutschen Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 steht offensichtlich unmittelbar bevor. Der Medienunternehmer Haim Saban drängt auf eine rasche Veräußerung des Fernsehkonzerns (Sat 1, Pro Sieben, Kabel 1, N 24, Neun Live). „Wir gehen von einer schnellen Entscheidung aus, möglicherweise sogar bis Freitag“, heißt es in Verhandlungskreisen.

DÜSSELDORF. „Die Verträge sind oder werden von allen Bietern bereits ausgearbeitet“, sagte gestern ein Bieter. Saban wollte den Milliardenpoker nicht kommentieren. Bis heute Mittag nehmen die Banken JP Morgan und Morgan Stanley in London die Angebote für Pro Sieben Sat 1 entgegen. Beim Verkauf von Pro Sieben Sat 1 gibt es drei Interessenten. Es bieten die Finanzinvestoren KKR und Permira, die Gruppe von Goldman Sachs und Apax sowie der türkische Mischkonzern Dogan-Yayin-Gruppe.

Der Vorstand der Pro Sieben Sat 1 gibt dem Angebot von KKR und Permira den Vorzug. Die beiden Finanzinvestoren besitzen bereits den europäischen Fernsehkonzern SBS Broadcasting. Die von Amsterdam aus gelenkte Sendergruppe, die vor allem in Benelux, Skandinavien und Osteuropa stark ist, würde im Fall einer Übernahme mit Pro Sieben Sat 1 zusammengehen. Sitz des neuen Konzerns wäre nach Angaben von Insidern der Pro-Sieben-Konzernsitz Unterföhring. Vorstandschef Guillaume de Posch steht mit anderen Vorstandsmitgliedern für die Lenkung der neuen Sendergruppe zur Verfügung. „Das Management hat sich mit dem Modell von KKR und Permira sehr angefreundet“, sagte ein Insider. Eine Unternehmenssprecherin wollte mögliche Präferenzen nicht kommentieren.

Permira, der frühere Eigentümer des Bezahlsenders Premiere, gilt als verlässlicher Partner. Der Finanzinvestor hat kürzlich sein letztes Premiere-Aktienpaket verkauft und damit potenzielle Kartellprobleme beseitigt. Ein Londoner Analyst sagte zu den Chancen des Tandems KKR/Permira: „Der hohe Preis lässt sich nicht über eine Erholung im deutschen Werbemarkt finanzieren. KKR und Permira sind im Gegensatz zu anderen Bietern in der Lage, über die Fusion mit SBS eine Story zu schreiben.“

Offenbar würde auch die Politik einen Zuschlag für KKR und Permira gut heißen. „Die Politik und die Kartellbehörden hätten damit die geringsten Probleme“, hieß es in Finanzkreisen. In Bayern verspricht man sich von einer möglichen Fusion von Pro Sieben Sat 1 und SBS eine Stärkung des Medienstandorts. Bayerns oberster Medienwächter Wolf-Dieter Ring wollte sich gestern auf Anfrage dazu nicht äußern. Der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Medien wird jedoch auf der Sitzung des Medienrates am Donnerstag in München öffentlich Position beziehen.

Das bisher höchste Angebot hat offenbar die türkische Mediengruppe Dogan vorgelegt. Dogan bekräftigte gestern nochmals ihr Interesse. An der Fernsehtochter Dogan TV hatte sich Axel Springer („Bild“, „Welt“) kürzlich beteiligt.

Saban will nach Angaben aus Unternehmenskreisen zusammen mit seinen Partnern wie Hellman & Friedman, Providence und Bain mehr als drei Mrd. Euro für 50,5 Prozent der Sendergruppe erzielen. Der amerikanisch-israelische Medienmilliardär hatte im August 2003 die Senderkette für lediglich 525 Mill. Euro erworben. Der schillernde Unternehmer aus Beverly Hills wollte den Konzern bereits zu Jahresbeginn an Springer für 2,45 Mrd. Euro verkaufen. Doch das Geschäft scheiterte schließlich am hartnäckigen Widerstand der Wettbewerbsbehörden.

Pokerspiel zu Dritt

KKR/Permira
Das Finanzinvestoren-Duo hat bereits mehrmals ein geschicktes Händchen mit Medienunternehmen bewiesen. Derzeit gehört dem Tandem der in Luxemburg notierte Fernsehkonzern SBS Broadcasting.

Dogan
Die türkische Mediengruppe ist bereits in Deutschland mit der türkischen Zeitung „Hürriyet“ und Fernsehsendern aktiv. Nun greift Dogan mit einem deutschen Partner nach Pro Sieben Sat 1.

Goldman Sachs
Der Finanzinvestor will mit zusammen Apax ein Angebot vorlegen. Im August ist Apax beim Fernsehkonzern CME des Milliardenerben Ronald Lauder eingestiegen. CME ist in Osteuropa und auf dem Balkan stark.

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