Führende Anbieter Cognos und Hyperion heizen den Markt für Business Intelligence an
Übernahmefieber bei Analyse-Software

Der Konsolidierungsdruck im Markt für Analyse- und Reporting-Software (Business- Intelligence/BI) wächst. „Wir wollen bis 2005 die Umsatzmilliarde erreichen. Auf diesem Weg wird es sicherlich noch Akquisitionen geben“, sagte Robert Ashe, der beim kanadischen BI-Spezialisten Cognos für das Tagesgeschäft zuständige COO, dem Handelsblatt. Auch Wettbewerber Hyperion prüft Kaufgelegenheiten „Wir werden akquirieren. Die Übernahmen können fünf bis fünfzehn Millionen Dollar wert sein, es kann aber auch mehr werden“, sagte Hyperion-Chef Jeff Rodeck dem Handelsblatt.

jkn FRANKFURT. Seit knapp einem Jahr grassiert in der BI-Branche das Übernahmefieber. Ende 2002 kaufte Cognos den Reporting-Spezialisten Adaytum, Im Sommer diesen Jahres folgte Business Objects mit der Akquisition von Crystal Decisions, kurze Zeit später erwarb Hyperion den Wettbewerber Brio. Mit den Zukäufen versuchen die BI-Spezialisten ihre Produktpalette abzurunden, um als Komplettanbieter von Analysewerkzeugen aufzutreten. „Das ist das, was die Kunden von uns verlangen“, begründete Hyperion-Chef Rodek große Kauflust.

Mit Business-Intelligence-Software können Firmen die Daten, die ihre IT-Systeme sammeln, auswerten. Damit ist BI ein wichtiges Instrument zur Steuerung eines Unternehmens. Die Marktforscher von IDC prognostizieren für die kommenden Jahre ein jährliches Wachstum von 4,1 %. Damit wäre der BI-Markt im Jahr 2007 rund 4,5 Mrd. Dollar schwer.

Analysten überrascht die „Fusionitis“ nicht. Der BI-Markt ist stark fragmentiert. Die Schätzungen reichen von rund 100 bis zu 600 weltweit tätigen Firmen. „Angesichts der großen Zahl der Anbieter für Anwendungssoftware rechne ich mit einer Übernahmewelle“, sagt Martin Barnreiter vom Münchener Marktforscher PAC. Davon geht auch Cognos-Manager Ashe aus: „Es würde mich wundern, wenn von den rund ein Dutzend bedeutenden Anbietern im Jahre 2005 noch mehr als die Hälfte existieren würden.“ „Ich denke, dass sich in absehbarer Zeit zwei, vielleicht drei Anbieter 60 bis 70 Prozent des gesamten Marktes teilen werden“, prophezeit Rodek von Hyperion.

Die Spitzengruppe im BI-Markt verfolgt geschlossen ein Ziel: möglichst schnell die magische Grenze von 1 Mrd. $ Umsatz zu erreichen. Mit dieser Größe glauben sie den Großen der Softwarebranche wie SAP oder Oracle künftig Paroli bieten zu können. Als erster könnte Business-Objects das Ziel erreichen. Zusammen mit Crystal kommen die Franzosen auf 730 Mill. $ Umsatz. Hyperion kommt mit Brio auf 610 Mill. $, Cognos erreicht 670 Mill. $. „Im Moment ist Business Objects vorne, doch wir haben die Startlinie gerade erst verlassen“, gibt sich Ashe von Cognos kampfbereit. Rodek sieht die Situation etwas entspannter. „Ich glaube, dass der Markt groß genug ist für zwei oder drei Anbieter mit einer Milliarde Umsatz“.

Allerdings muss sich das Trio bei der Jagd nach der Milliardengrenze auf einen weiteren gewichtigen Mitspieler einstellen: Die nicht börsennotierte US-Gesellschaft SAS Institute International. Zwar bietet das Unternehmen historisch vor allem statistische Software-Werkzeuge an, allerdings gehören auch einige BI-Anwendungen zum Programm. Mit einem Umsatz von 1,2 Mrd. $ (2000) betrachtet sich die Gesellschaft selbst sogar als Weltmarktführer im BI-Geschäft. Firmenchef Art Cooke hat bereits angekündigt, diesen Platz nicht freiwillig räumen zu wollen.

Diese guten Aussichten locken auch bislang branchenfremde Unternehmen an. So hat Microsoft-Gründer Bill Gates jüngst Business Intelligence als ein „primäres Ziel“ der künftigen Wachstumsstrategie ausgemacht. Dennoch fürchten die großen BI-Anbieter keine Übernahme. „Wir arbeiten mit den für Unternehmen lebenswichtigen Daten. Deshalb ist Unabhängigkeit für BI-Anbieter das höchste Gut“, sagt Ashe von Cognos. „Die Kunden wollen getrennte Anbieter für die einzelnen Software-Bereiche. Deshalb sehe ich keine Übernahme-Gefahr“, bestätigt Hyperion- Chef Rodek.

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