Fußball-Rechte
Premiere will die Liga überlisten

Ungeachtet aller Querschüsse der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geht der Bezahlfernsehsender Premiere davon aus, auch in der kommenden Saison die Bundesliga live zeigen zu können. Warum das so ist, erläuterte Konzernchef Georg Kofler auf der Hauptversammlung in München.

HB MÜNCHEN. „Nach wie vor ist der Vorstand von Premiere sehr zuversichtlich, bei der Fußball-Bundesliga im Spiel zu bleiben“, sagte Kofler am Mittwoch laut Redetext. Die Verhandlungen seien fortgeschritten, und es gebe gute Chancen, dass Premiere mit einem neuen Partner als Lizenzgeber auch ab der kommenden Saison die Bundesliga live zeigen könne. Premiere verhandelt mit der Deutschen Telekom beziehungsweise deren Tochter T-Online, die sich die Live-Rechte für das Internet gesichert hat.

Premiere war bei der Vergabe der Bundesliga-Live-Lizenzen überraschend gegen den zum Kabelnetzbetreiber Unity (Kabel Deutschland) gehörenden Vermarkter Arena unterlegen. Die Premiere-Aktie hatte seitdem massiv an Wert verloren, weil die Börse einen Kundenschwund befürchtet.

Kofler sagte, das Angebot des Partners und von Premiere für die Live-Übertragung der Bundesliga-Spiele solle in Kürze bekannt gegeben werden. Die Deutsche Telekom erwähnte er nicht explizit. Faktisch habe die DFL die Live-Rechte zwei Mal verkauft – für das herkömmliche Fernsehen und für das Internet. „Besonders beschäftigt hat uns eine Formulierung des Ausschreibungstextes: Dort steht klipp und klar, dass eine Übertragung des Bildmaterials auf Basis des Internet-Protokoll-Standards auch über Kabel, Satellit und terrestrisch möglich ist“, sagte Kofler.

Empfangen werden kann das Signal über spezielle Digital-Decoder. Die Technik nennt sich IPTV. „Für den Kunden ist es egal, ob er die Bilder über IPTV oder das normale Signal auf den Schirm bekommt“, sagte Kofler. Derzeit verfügten bereits 90 Prozent der Premiere-Kunden über einen Internetanschluss.

Der Premiere-Chef betonte, dass sich sein Unternehmen bereits seit rund einem Jahr mit dem Thema IPTV unabhängig von der Diskussion um die Bundesligarechte beschäftige, da Premiere nach dem Vorbild des englischen Pay-TV-Anbieters BSkyB endlich rückkanalfähig sein müsse, damit es seinen Zuschauern interaktive Angebote machen könne. Entsprechende Empfänger-Boxen seien ab August verfügbar.

Die DFL vertritt allerdings die Auffassung, dass die Telekom ihre Rechte nur für eine Übertragung im Internet nutzen kann und damit eine Live-Übertragung für Premiere ausgeschlossen ist. Kofler sagte dazu, Ausschreibungsbedingungen dürften nicht im Nachhinein verändert oder neu interpretiert werden „ohne dass der gesamte Bieterprozess zu hinterfragen wäre“.

Die Anleger schenkten Koflers Worten offenbar Glauben. An der Börse legte die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie von Premiere um 6 Prozent auf 13,05 Euro zu.

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