Gerüchte über Einstieg
Telecom Italia lockt libyschen Staatsfonds

Der niedrige Aktienkurs von Telecom Italia weckt das Interesse von Großinvestoren. Auch ein libyscher Staatsfonds soll Medienberichten zufolge bereit ein, mehrere Milliarden in den Telekommunikationskonzern zu investieren. Telecom Italia bestätigt am Donnerstag lediglich, dass es Interessenten für eine Beteiligung an dem italienischen Ex-Monopolisten gibt.

MAILAND. „Keiner dieser Interessenbekundungen ist von dem Unternehmen angeregt worden, und es hat keine konkreten Vorschläge gegeben“, teilte das Unternehmen nach der Sitzung des Verwaltungsrats mit.

Vor allem der mögliche Einstieg des 50 Mrd. Dollar schweren Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA) hatte für Aufregung gesorgt. Nach Medienberichten ist LIA bereit, sich mit bis zu zehn Prozent an Telecom Italia zu beteiligen und dafür zwei bis drei Milliarden Euro zu bezahlen.

In Italien stellt der Einstieg eines Staatsfonds noch eine Ausnahme dar. Bisher gibt es in Italien nur ein Beispiel: Im Frühjahr hat der Staatsfonds Government of Singapore Investment Corp (Gic) angekündigt, für eine Milliarde Euro 14,3 Prozent an der Holding Sintonia zu erwerben, in der die Infrastruktur-Aktivitäten der Benetton-Familie gebündelt sind. Der 100 Milliarden Dollar schwere Gic ist der selbe Fonds, der zuvor zehn Milliarden Dollar in UBS und knapp sieben Milliarden Dollar in Citigroup investiert hat.

Der Einstieg eines libyschen Staatsfonds sorgt in Italien auch aus historischen Gründen für Aufregung. Schließlich ist Libyen eine ehemalige italienische Kolonie. Regierungschef Silvio Berlusconi war erst Ende August nach Libyen gereist und hatte Staatschef Muammar al-Gaddafi weitere fünf Mrd. Euro Wiedergutmachung für die kommenden Jahren versprochen. Unter anderem baut Italien in Libyen eine Autobahn als Form der Wiedergutmachung.

Telecom Italia könnte das frische Kapital der Libyer durchaus gebrauchen. Der Schuldenberg von Telecom Italia beläuft sich auf mehr als 37 Mrd. Euro, Umsatz und Gewinn schrumpfen. Die Aktionäre, die nach dem Ausstieg von Pirelli Ende 2007 die Kontrolle übernommen haben, beklagen sich über den Mangel an Visionen des Managements. Erst vergangene Woche hat der seit neun Monaten amtierende Vorstandsvorsitzende Franco Bernabe zudem klar gemacht, dass Telecom Italia den Aufbau einer neuen schnellen Internetinfrastruktur nicht allein stemmen kann.

Bisher kontrolliert die Holding Telco mit 24 Prozent der Aktien den Telekommunikationskonzern. Der größte Aktionär ist die spanische Telefonica, die 42,3 Prozent an Telco und damit rund zehn Prozent an Telecom Italia hält. Die übrigen Telco-Aktien halten die italienische Bank Intesa Sanpaolo, der Versicherer Generali und die der Benetton-Familie gehörende Sintonia. Außerhalb dieser Investorengruppe hat jüngst die italienische Unternehmerfamilie Fossati ihre Beteiligung an Telecom Italia von 4,5 Prozent auf fünf Prozent aufgestockt.

Zu seinen Deutschland-Plänen schwieg das Unternehmen gestern. In Deutschland hat Telecom Italia nicht nur den Internetanbieter Hansenet gekauft, der unter der Marke „Alice“ agiert, sondern auch AOL Deutschland. Das Management ist nach eigenen Angaben „an dem Konsolidierungsprozess in Deutschland interessiert“. Damit dementiert Telecom Italia indirekt Verkaufsabsichten für Hansenet und bringt sich dagegen für Versatel als möglicher Käufer ins Spiel.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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