Großaktionäre scheitern auf Hauptversammlung
Freenet-Chef Spoerr gewinnt Machtprobe

Beim Telekomunternehmen Freenet sind die Großaktionäre Drillisch und United Internet mit dem geplanten Sturz der Konzernspitze gescheitert. Auf der Hauptversammlung am Freitag in Hamburg stellte sich die Mehrheit der Eigner hinter das Team von Freenet-Chef Eckhard Spoerr und Aufsichtsratschef Helmut Thoma. Den Machterhalt hat das Management vor allem zwei Anteilseignern zu verdanken.

HB HAMBURG. Das Management profitierte insbesondere von der Unterstützung des Finanzinvestors Permira, der seit der Debitel-Übernahme durch Freenet ein Viertel der Anteile hält. Zudem schlug sich der britische Fonds Hermes, der fünf Prozent hält und im Wettstreit der großen Aktionärsblöcke als Zünglein an der Waage galt, auf die Seite der Unternehmensführung.

Drillisch und United Internet, die zusammen mit knapp 26 Prozent an Freenet beteiligt sind, wollten Spoerr stürzen. Denn dieser hatte gegen ihren Willen die Übernahme des Mobilfunkdienstleisters Debitel durchgesetzt und damit ihren Plan durchkreuzt, Freenet unter sich aufzuteilen. Ihre Anträge, die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat auszutauschen und dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen, wurden allerdings mit knapp zwei Dritteln der Stimmen abgelehnt.

Hermes-Chef Stephan Howaldt ging mit ihnen ins Gericht: "Von Wettbewerbern wünscht man sich entweder ein attraktives Übernahmeangebot oder eine Unterstützung der Gesellschaft", sagte Howaldt. Zugleich kritisierte er jedoch auch Spoerr. "Man wünscht sich von der Verwaltung den vollen Fokus auf das Tagesgeschäft. Man wünscht sich weniger Angriffsfläche." Der Machtkampf mit den Großaktionären hatte bei Freenet große Kapazitäten gebunden, wie auch Spoerr zugab. "Dem operativen Geschäft hat das nicht geholfen."

Zu den Gewinnaussichten für das kommende Jahr äußerte sich Spoerr vorsichtiger. Das operative Ergebnis (Ebitda) werde bei 450 Mill. Euro liegen. Bislang hatte Freenet "mindestens" 450 Mill. Euro in Aussicht gestellt. Bei der Prognose klammert Freenet Einmalaufwendungen aus dem Konzernumbau ebenso aus wie Kosten für die Kundengewinnung und die Beiträge der zum Verkauf stehenden DSL-Sparte. Abschreibungen für die Kundenakquise hatten bei Freenet im Halbjahr für einen Gewinneinbruch um drei Viertel auf 22,5 Mill. Euro gesorgt.

Bereits vor der Abstimmung hatte Spoerr den Wunsch nach "Ruhe und Frieden" geäußert. Sein Gegenspieler Drillisch-Chef, Paschalis Choulidis, will zwar nicht klein beigeben. Aber auch er sagte: "Wir wollen Ruhe drin haben." Ein Vertreter des Gemeinschaftsunternehmens von Drillisch und United Internet, MSP, erklärte: "Unser Interesse ist nicht die Zerschlagung, sondern die Wertsteigerung der Freenet-Aktie." Ein Verkauf der Anteile stehe nicht zur Debatte, ergänzte Choulidis. "Das ist ein Engagement in unser Kerngeschäft." Es sei zu hoffen, dass das Unternehmen die nun angestrengten Vorhaben schaffe. Ansonsten sei langfristig neuer Ärger programmiert: "Die nächste HV kommt bestimmt", warnte Choulidis.

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