Großaktionäre steigen beim Bezahlsender aus
Zukunft von Premiere hängt an Bundesliga

Das Bezahlfernsehen Premiere steht vor einer ungewissen Zukunft. Überraschend schnell steigen die Finanzinvestoren beim Münchener Bezahlsender aus. Die in Frankfurt ansässige Private-Equity-Firma Permira und die Banken Hypo-Vereinsbank, Bayerische Landesbank sowie Bawag trennen sich von Aktien im Wert von 500 Mill. Euro. Das teilten die Investoren gestern mit.

DÜSSELDORF. „Durch die Reduzierung des Anteils der Investoren gewinnt das Unternehmen und die freien Aktionäre mehr Planungssicherheit“, sagte Thomas Krenz, Managing Partner von Permira, dem Handelsblatt. Die Zahl der frei an der Börse handelbaren Aktien steigt damit von bisher 51,3 Prozent auf 76,7 Prozent, so Krenz. Dadurch erhöhe sich die Attraktivität des Papiers.

Insgesamt veräußern die Investoren 23,7 Millionen Aktien, die institutionellen Anlegern zu einem Preis zwischen 23,75 bis 24,25 Euro pro Stück angeboten werden. Nach dem Ausstieg wird Vorstandschef Georg Kofler mit einem Aktienpaket von 13,90 Prozent der größte Gesellschafter sein. Seine Haltefrist endet im März 2006. Der Vorstandschef betonte gestern aber, er wolle langfristig engagiert bleiben. Die Börse reagierte gestern negativ. Die Aktien verlor um bis zu fünf Prozent.

Der schnelle Ausstieg der Finanzinvestoren kommt überraschend. Erst vor zwei Wochen war das Verkaufsverbot ausgelaufen. Premiere war am 9. März an die Börse gegangen. Seitdem sank der Kurs stetig. Das Hoch lag bei knapp 33 Euro, gestern notierte das Papier bei unter 24 Euro. Falls alle Aktien platziert werden können, halten Permira und die Banken noch 8,5 Prozent. Davon entfallen auf Permira nach Unternehmensangaben 5,9 Prozent.

Nach dem Börsengang der Premiere AG im März waren die Finanzinvestoren noch mit insgesamt 33,8 Prozent beteiligt. Davon entfielen 23,7 Prozent auf Permira, je 4,3 Prozent auf die Bayerische Landesbank und die Hypo-Vereinsbank und 1,5 Prozent an die österreichische Bankengruppe Bawag.

Über die Zukunft von Premiere gehen derzeit die Meinungen auseinander. Während die Deutsche Bank zum Verkauf rät, empfehlen Analysten von der WestLB und der DG Bank die Medienaktie weiter zum Kauf. Die Zukunft des Bezahlfernsehens hängt nicht zuletzt davon ab, ob es Premiere gelingt, die Bundesliga nahezu komplett ins Bezahlfernsehen zu holen und dadurch mehr Abonnenten zu gewinnen. „Wenn die Verhandlungen um die Bundesliga-Rechte zu mehr Exklusivität für Premiere führen, haben die Aktien noch viel Potenzial“, sagte Stefan Weiss von der WestLB.

Derzeit sind im Markt aber die Zweifel groß, ob Premiere es gelingt, die öffentlich-rechtliche Konkurrenz bei der Bundesliga abzuhängen. Bisher überträgt Premiere live die Spiele. Bei der ARD laufen lediglich die Zusammenfassungen in der „Sportschau“.

In den anstehenden Verhandlungen möchte Premiere-Chef Kofler und sein Sport-Vorstand Hans Mahr die Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen in den späten Abend schieben. „Es gibt nur mehr Geld für mehr Exklusivität“, sagte der frühere RTL-Manager Mahr gestern an die Adresse des Rechteinhaber, der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Wie viel Premiere auf den Tisch legen will, ließ Mahr aber offen. In Verhandlungskreisen ist von „deutlich über 300 Mill. Euro“ die Rede. Mit dieser Summe müsste Premiere den Ausfall der Einnahmen über die ARD und über das Sponsoring in den Stadien kompensieren. Bisher zahlt Premiere nach Branchenangaben 175 Mill. Euro. Insgesamt nimmt die DFL 290 Mill. Euro pro Saison ein.

Geld und Spiele

Bundesliga: Im Verhandlungspoker um die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga wollen die Vereine diesmal von den Fernsehsendern deutlich mehr Geld. Premiere pokert mit ARD, ZDF, Pro Sieben Sat 1, RTL und wohl auch mit dem Kabelbetreiber Kabel Deutschland.

Champions League: Premiere bezahlte jüngst 200 Mill. Euro für die Champions-League. Erstmals erwarb der Bezahlsender auch die Rechte für das Free-TV. Im Premiere-Portfolio fehlt jetzt noch ein frei empfangbarer Sender. Doch für DSF fordert EM.TV viel Geld.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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