Halbleiter-Konzern
Infineon verscherbelt Tafelsilber

Infineon verkauft Tafelsilber, um sich in finanzieller Hinsicht Luft zu verschaffen. Der angeschlagene Halbleiter-Konzern trennt sich für 250 Millionen Euro von seinem Breitbandzugangsgeschäft. Käufer ist US-Investor Golden Gate Capital. An der Börse sorgt die Nachricht für Feierstimmung.

MÜNCHEN. Der Münchener Halbleiterhersteller Infineon geht an die Substanz, um zu überleben. Gestern teilte das verlustreiche Unternehmen mit, der zuletzt einzige profitable Bereich, die drahtgebundene Kommunikation, werde an den Finanzinvestor Golden Gate Capital verkauft. Die Amerikaner zahlen 250 Mio. Euro für die Sparte.

„Die Veräußerung dieses Segments leistet einen wesentlichen Beitrag zur anstehenden Refinanzierung“, sagte Vorstandssprecher Peter Bauer. „Wir haben den Verkauf gemacht, um unsere Finanzierung zu stützen.“

Infineon muss nach Angaben von Finanzvorstand Marco Schröter bis Sommer kommenden Jahres Anleihen im Wert von knapp 600 Mio. Euro zurückzahlen. Dazu kommen noch kurzfristig fällige Kredite über 70 Mio. Euro. Analysten und Investoren hatten in den vergangenen Monaten Zweifel, dass Infineon diese Summe aufbringen kann.

Nach Abschluss der Transaktion im Dezember dürften die Brutto-Barmittel des Konzerns bei etwas über einer Milliarde Euro liegen, sagte Schröter. Wie viel Kapital Europas zweitgrößter Halbleiterhersteller nun noch zusätzlich benötige, hänge vom weiteren Geschäftsverlauf ab.

Konzernchef Bauer ließ gestern durchblicken, dass in nächster Zeit mit weiteren Schritten zu rechnen sei, um die Finanzierung zu sichern. Analysten und Investoren spekulieren schon seit Monaten über eine Kapitalerhöhung. Dazu wollte sich der Manager gestern allerdings genauso wenig äußern wie zu möglichen Staatsbürgschaften. Darüber hinaus verhandelt das Unternehmen mit Banken über neue Kredite. In Branchenkreisen hieß es gestern, die Umschuldung solle in den nächsten Wochen abgeschlossen werden.

Die Börse jubelte gestern über den Deal mit Golden Gate Capital. Der Kurs der im TecDax notierten Aktie schoss um neun Prozent auf rund 2,70 Euro in die Hohe. Analysten begrüßten die Trennung von der Sparte. Der Wert der Transaktion liege 25 Prozent über seinen Erwartungen, urteilte Thomas Becker von der Commerzbank. Der Mittelzufluss von 250 Mio. Euro stärke die Bilanz, denn er schließe fast komplett die finanzielle Lücke, die er auf 300 Mio. Euro veranschlage.

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