Halbleiterhersteller
Infineon lässt Qimonda fallen

Der Münchner Halbleiterhersteller Infineon beteiligt sich nicht an dem Rettungspaket für seine angeschlagene Speicherchiptochter Qimonda. Das wäre die Bedingung gewesen für Rettungsgelder des Freistaates Sachsen, wo viele Qimonda-Mitarbeiter beschäftigt sind. Damit steht Qimonda kurz vor dem Aus.

DRESDEN/MÜNCHEN. Die Hoffnungen auf ein Überleben des schwer angeschlagenen Chipherstellers Qimonda schwinden. Der Freistaat Sachsen hat gestern zwar einen Kredit von 150 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Die Konzernmutter Infineon weigerte sich allerdings, die gleiche Summe zuzuschießen. Dies hatte die Staatsregierung zuvor gefordert – und zwar „unkonditioniert und dauerhaft“, wie es am Dienstag in Dresden hieß.

Der Betrag von 300 Mio. Euro sollte Qimonda helfen, eine neue Chiptechnik auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen, das wegen des enormen Preisverfalls von Speicherchips in die Schieflage geraten ist, wollte im Gegenzug für den Kredit nach Angaben der Regierung eine Bestandsgarantie für den Standort Dresden abgeben. Doch daraus wird erst einmal nichts: Infineon sieht sich nicht in der Lage, ein Darlehen für Qimonda zur Verfügung zu stellen.

Zuvor hatte sich die sächsische Landesregierung optimistisch geäußert, gleichzeitig aber Infineon schwer unter Druck gesetzt. „Wir glauben an die technologische Spitzenstellung von Qimonda und die Chancen“, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Allerdings müsse auch Infineon „seiner unternehmerischen Verantwortung gerecht werden“. Es gehe um Arbeitsplätze in Sachsen und um eine Spitzentechnologie, die in der Welt einzigartig sei. „Nur gemeinsam mit dem Eigentümer Infineon ist eine Hilfe für Qimonda möglich“, betonte Tillich.

Dass Sachsen einen Kredit bereitstellen will, ist ebenso wenig überraschend wie die Weigerung von Infineon. Die sächsische Regierung steht unter Druck: Durch eine Insolvenz Qimondas könnte dem Halbleiterstandort Sachsen das Aus drohen – und damit auch den 8 000 bis 10 000 Arbeitsplätzen bei Zulieferern.

Infineon hingegen schreibt selbst Verluste und muss mit seinen Mitteln haushalten. Der Konzern steckt in der Zwickmühle. Einerseits drohen massive Belastungen bei einer Insolvenz der Tochter. Andererseits läuft das eigene Geschäft schlecht, das Management rechnet auch im nächsten Jahr mit roten Zahlen.

Ende September hatte der Konzern noch flüssige Mittel von knapp 900 Mio. Euro. Dem standen 207 Mio. Euro kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber. Zudem verfügt das Unternehmen über 300 Mio. Euro bisher nicht genutzte Kredite. „Wir können Qimonda in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung nicht mit eigenen Mitteln unterstützen, so schmerzlich diese Entscheidung auch ist“, sagte Konzernchef Peter Bauer kürzlich.

Für die Rettung drängt die Zeit, da Qimonda sonst zu Beginn kommenden Jahres das Geld ausgeht – und damit eine der größten Pleiten in der deutschen Wirtschaft seit Jahren droht. Sowohl Infineon als auch der Freistaat Sachsen zeigten sich gestern offen für weitere Gespräche. „Wir würden sehr bedauern, wenn Infineon die helfende Hand aus Sachsen ausschlägt“, betonte Regierungschef Tillich.

Die EU-Kommission und deutsche Stellen haben laut einem Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bereits über mögliche Maßnahmen gesprochen, die Sachsen zur Unterstützung von Qimonda in Betracht ziehe. „Soweit wir es verstehen, ist die deutsche Seite noch dabei zu entscheiden, was genau sie tun will“, sagte der Sprecher gestern. Eine Anmeldung sei bislang nicht eingegangen. „Ganz gleich, welche Art von Hilfe und für welchen Zweck – sie bräuchte vorab die Zustimmung der Kommission“, betonte er.

In Dresden streicht Qimonda derzeit 950 Arbeitsplätze, in der Zentrale in München 600. Der Stellenabbau soll bis Ende März abgeschlossen sein. Weltweit baut Qimonda mit 3 000 Jobs rund ein Drittel seiner Belegschaft ab.

Das Unternehmen leidet unter extrem niedrigen Preisen seines Hauptprodukts, der sogenannten Dram-Chips. Der Preisverfall ist die Folge einer gigantischen Überproduktion, die zumindest teilweise durch staatliche Subventionen angefacht wurde. Außer Marktführer Samsung verdient in dem etwa 30 Mrd. Dollar schweren Markt kein Anbieter Geld.

Infineon hält an seiner ehemaligen Speichersparte Qimonda noch 77,5 Prozent der Anteile. Der Konzern sucht seit dem Börsengang vor zwei Jahren nach einem Käufer für die Aktien – bislang erfolglos. Qimonda seinerseits wirbt seit Monaten vergeblich um einen finanzkräftigen Investor.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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