Halbleiterproduktion
Qimonda verhandelt mit Chinesen

Mitarbeiter des Insolvenzverwalters des Halbleiterproduzenten Qimonda sind derzeit in Asien, um mit möglichen Käufern zu sprechen. Bis Ende März muss Insolvenzverwalter Michael Jaffe einen Investor für den Qimonda gefunden haben, sonst gehen die Lichter in dem Münchener Unternehmen endgültig aus. Ob der Jurist Erfolg haben wird, ist noch offen.

PEKING. Nach Informationen des Handelsblatt soll der chinesische Chiphersteller China Resources Microelectronics (CR Micro) einer der Interessenten an Qimonda sein. Die Deutschen sollen mit der Tochter CSMC Technologies Corp bereits Gespräche geführt haben, heißt es. CSMC ist seit 2004 an der Hongkonger Börse notiert. Die Unternehmen gehören zum staatlichen chinesischen Mischkonzern China Resources.

Der 1997 gegründete Konzern verfügt über drei Halbleiter-Fabriken im südchinesischen Wuxi sowie über eine Produktion in Peking. Das Unternehmen, das gestern zum Interesse an Qimonda keine Stellungnahme abgeben wollte, hat auf seiner Internetseite eine weitere Expansion angekündigt. Qimonda selbst wollte sich ebenfalls nicht zu den Gesprächen äußern. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Jaffe bekräftigte frühere Aussagen, wonach es mehrere Interessenten gebe.

Qimonda musste Ende Januar Insolvenz anmelden, nachdem ein Rettungspaket über 325 Mio. Euro geplatzt war. Der Hersteller von Speicherchips, sogenannten Drams, schreibt seit Monaten hohe Verluste und braucht deshalb dringend einen finanzkräftigen Investor. Qimonda gehört mehrheitlich dem Halbleiterhersteller Infineon. Die frühere Siemens-Tochter kämpft selbst mit roten Zahlen und will Qimonda deshalb nicht unterstützen.

Für die Chinesen könnte Qimonda interessant sein, weil die Deutschen eine moderne Technik zur effizienten Konstruktion und Produktion von Speicherchips besitzen. Bislang stellt CSMC seine Halbleiter noch auf sechs Zoll großen Scheiben her. Standard sind heute aber Zwölf-Zoll-Wafer, wie sie Qimonda seit Jahren in einer eigenen Fabrik in Dresden einsetzt.

CR Micro zählt sich mit seinen Tochtergesellschaften zu den fünf führenden Herstellern in der chinesischen Halbleiterbranche. Möglicherweise seien die Chinesen allerdings nur an der Übernahme der Qimonda-Fertigung in China interessiert, so ein Insider, wo die Produktion bereits zurückgefahren worden sein soll.

Eine komplette Übernahme des deutschen Konkurrenten sei momentan eher unwahrscheinlich, da dies nur mit Zustimmung Pekings gehe. Die chinesische Regierung untersagt derzeit jedoch wegen der globalen Wirtschaftskrise alle größeren Expansionen im Ausland. Frühere Investitionen vor allem im Finanzbereich haben den Chinesen riesige Verluste eingebracht.

In der vergangenen Woche hatte Qimonda die Schließung eines US-Werks verkündet, um Geld für die verbliebenen Standorte in Deutschland und Portugal freizuschaufeln. Doch die Pleite hinterlässt auch in Asien Spuren. Dem Produktionspartner Winbond etwa schuldet Qimonda noch 28 Mio. Dollar.

Der Staatskonzern China Resources ist 1938 gegründet worden und in vielen Bereichen tätig, darunter Logistik, Immobilien, Brauereien, Maschinenbau und Chemie. CSMC ist vor gut zehn Jahren vom Manager Peter Chen aufgebaut worden, der in den USA studiert hatte. Seit 2008 ist CSMC eine Tochter von CR Micro.

Vergangenes Jahr erzielte die chinesische Chipbranche einen Umsatz von rund 76 Mrd. Dollar. Das ist etwa so viel wie im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr rechnen die Marktbeobachter von i-Suppli mit einem Minus von sechs Prozent. „Der Rückgang ist bemerkenswert, denn bislang galt die Region als verlässlicher Wachstumstreiber für die Halbleiterbranche“, sagt i-Suppli-Manager Kevin Wang.

Ein Papier für Zocker

Starkes Auf und Ab

Mit Qimonda-Aktien lässt sich auch heute noch Geld verdienen – trotz des extrem niedrigen Kursniveaus. Gestern kletterte die an der Wall Street notierte Aktie im frühen Handel um mehr als zwölf Prozent auf 14 US-Cent. Auslöser des Kurssprungs in einem weitgehend richtungslosen Markt war die Hoffnung auf einen Investor aus China. Bei dem niedrigen Preis der Aktien sind prozentual hohe Ausschläge allerdings programmiert.

Im Ausverkauf

Die Mehrheit der Aktien hält Infineon. Lange hatten die Münchener gehofft, für Qimonda einen hübschen Preis zu erzielen. Jetzt kann der Konzern froh sein, wenn sich überhaupt jemand findet, der die Papiere übernimmt und den Betrieb bei der ehemaligen Tochter aufrechterhält.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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