Handy-Hersteller
Sony Ericsson leidet unter Konjunktur

Die abkühlende Konjunktur in Europa setzt die kleinen Handy-Hersteller unter Druck. Weil in Europa die Nachfrage nach teuren Handys sinkt, streichen die Hersteller weltweit 2 000 der rund 12 000 Stellen. Das eindruckvollste Beispiel ist das japanisch-schwedische Joint Venture Sony Ericsson.

DÜSSELDORF. Ihnen fehlen die Größenvorteile, um mit dem Weltmarktführer Nokia in Schwellenländern konkurrieren zu können. Das eindruckvollste Beispiel ist Sony Ericsson. Das japanisch-schwedische Joint Venture ist mit einem Marktanteil von acht Prozent die Nummer vier auf dem Weltmarkt- hinter Nokia, Samsung und Motorola.

Seit Anfang des Jahres hat das Unternehmen bereits zwei Gewinnwarnungen veröffentlicht und am Freitag wie erwartet schwache Zahlen vorgelegt. Der Umsatz sank im zweiten Quartal im Jahresvergleich um neun Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Mit einem Nettogewinn von sechs Mill. Euro nach 220 Mill. ein Jahr zuvor vermied das Unternehmen nur knapp das Abrutschen in die roten Zahlen. Das Unternehmen will bis Ende nächsten Jahres 300 Mill. Euro sparen. Dem Rotstift fallen weltweit 2 000 der insgesamt 12 000 Stellen zum Opfer.

Sony Ericsson erklärte die schlechten Zahlen mit "einem ungünstigen Wechselkurs, einem anhaltenden langsamer werdenden Wachstum im Bereich der mittleren und hochwertigen Geräte und einem zunehmenden Wettbewerb". Auch für das laufende Jahr sieht der Anbieter schwarz. Die schwierigen Marktbedingungen blieben bestehen - "mindestens für den Rest des Jahres und vor allem für das dritte Quartal", sagte Konzernchef Dick Komiyama.

Vor einigen Jahren hatte sich Sony Ericsson erfolgreich seine Nische auf dem Handy-Markt gesucht: Mit Geräten für Musik und Photos, die die erfolgreichen Sony-Marken Walkman und Cybershot nutzten, sicherte sich der Herausforderer sukzessive Marktanteile und etablierte sich auf dem heiß umkämpften Weltmarkt für Handies, während andere kleine Anbieter wie Siemens oder dessen Nachfolgeunternehmen BenQ mangels Masse aufgeben mussten.

Analysten beurteilen jetzt auch die Lage des Joint Ventures äußerst kritisch. "Mit einem Marktanteil von acht Prozent könnte es für Sony Ericsson schwer werden, zu überleben", sagt Thomas Langer von der West LB. Die einzige Rettung sieht er in einer radikalen Verschmelzung von Sony-Produkten und Mobilfunk-Funktionen: "In alle Sony-Laptops muss eine Mobilfunk-Karte eingebaut werden, ebenso wie in alle Musikspieler und in die Playstations."

Den Vorsprung, den sich Sony Ericsson mit seinen Musik- und Fotohandys erarbeitet hatte, haben inzwischen asiatische Wettbewerber wie Samsung und LG mit ähnlichen Geräten wett gemacht. "Der Handy-Markt ist brutal schnell", sagt Greger Johannsson vom Marktforscher Redeye. "Wenn die teuren Handys schlecht laufen, ist es für kleine Anbieter ohne die nötigen Kostenvorteile für die Schwellenländer schwierig, zu bestehen."

Wie schwer, zeigen die jüngsten Zahlen: Europa ist der wichtigste Markt des Joint Ventures, weil hier die meisten teuren Handys verkauft werden. Nun, da in Europa die Nachfrage sinkt, hat Sony Ericsson zwangsläufig mehr billige Handys verkauft - der durchschnittliche Verkaufspreis sank von 125 Euro im zweiten Quartal 2007 auf 116 Euro aktuell. Damit sind die Handys deutlich teuerer als die von Nokia. Dessen Handys kosten im Schnitt 74 Euro.

Weltmarktführer Nokia hatte vergangene Woche gute Zahlen vorgelegt. Die Finnen sind inzwischen vor allem in den schnell wachsenden Schwellenländern aktiv. Durch die Masse, die sie dort verkaufen, und ihren Marktanteil von 40 Prozent profitieren sie von erheblichen Kostenvorteilen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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