Hauptversammlung
United Internet lässt bei Versatel nicht locker

Der Internetanbieter will die Konsolidierung auf dem Markt für schnelle Internetzugänge vorantreiben - am besten mit einer Übernahme des Konkurrenten Versatel. An der Börse blieb diese Nachricht nicht ohne Wirkung.

HB FRANKFURT. Erneut hat United-Internet-Chef Ralph Dommermuth sein Interesse am Konkurrenten Versatel bekräftigt. Am Dienstag sagte er auf der Hauptversammlung in Frankfurt, er könne sich bei Versatel ein Gebot vorstellen, falls ein Anteil zum Verkauf gestellt werde. "Wenn die zu uns passen und wenn der Preis stimmt, würden wir uns das trauen", sagte er. Er könne jedoch nicht einschätzen, "ob das in diesem Jahr ist, im nächsten Jahr oder im übernächsten Jahr". Zudem deutete Dommermuth eine Erhöhung der Prognosen an.

An der Börse legten die Aktien der beiden Unternehmen nach den Äußerungen Dommermuths zu und zählten zu den größten Gewinnern im Technologieindex TecDax. Der Kurs von Versatel wurde durch Spekulationen über die mögliche Anteilsaufstockung von United Internet regelrecht beflügelt und gewann 3,8 Prozent auf 14,65 Euro. "Die Spekulation auf ein Interesse von United Internet an einer Übernahme von Versatel treibt den Aktienkurs," sagte ein Händler. Die Aktien von United Internet legten um 4,8 Prozent zu und kosteten 14,10 Euro.

Hauptaktionär von Versatel ist der Finanzinvestor Apax Partners mit rund 44 Prozent der Anteile. United Internet hält bereits eine Sperrminorität von gut 25 Prozent. Der Konzern hatte im Januar seinen Anteil aufgestockt und sich bereits damals eine weitere Erhöhung vorbehalten. United Internet zahlte durchschnittlich 16,28 Euro je Aktie. Anders als Versatel besitzt United Internet selbst kein Telekommunikationsnetz, sondern mietet Kapazitäten bei Netzbetreibern wie der Deutschen Telekom.

Dommermuth will die Konsolidierung im Markt für schnelle Internetzugänge (DSL) vorantreiben. Er hat daher auch ein Auge auf den Konkurrenten Freenet geworfen, stößt dort aber nicht auf Gegenliebe. Dommermuth bekräftigte dennoch sein Interesse am DSL-Geschäft von Freenet und sagte, er rechne mit einer Entscheidung im Sommer. Freenet hatte nach langem Gezerre Ende April die Übernahme des Konkurrenten Debitel für insgesamt 1,63 Milliarden Euro verkündet und damit seine Großaktionäre United Internet und Drillisch brüskiert.

Unter Druck gerät United Internet langsam durch den Festnetzanbieter Arcor, der den Rückstand auf den Konkurrenten im DSL-Geschäft verringern konnte. Im Geschäftsjahr 2007/08 gewann Arcor 565 000 neue DSL-Kunden und kam damit Ende März auf 2,65 Millionen, wie die Vodafone-Tochter am Dienstag mitteilte.

Im laufenden Geschäft sieht sich United Internet zur Zufriedenheit der Aktionäre auf Erfolgskurs. "Wir sind sehr gut unterwegs", sagte Vorstandschef Dommermuth. Es sei aber "noch zu früh", die Prognose zu erhöhen. Bisher erwartet der Vorstand 2008 ein Wachstum von 20 Prozent bei Umsatz, operativem Ergebnis (Ebitda) und Ergebnis je Aktie.

United Internet war im vergangenen Jahr kräftig gewachsen. Der Umsatz kletterte 2007 um 27 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn um 37 Prozent auf knapp 235 Millionen Euro. Das ist ein vorzügliches Geschäftsjahr gewesen", lobte Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Dividende steigt auf 20 von 18 Cent je Aktie. Das erste Quartal 2008 war mit ebenfalls deutlich zweistelligen Zuwachsraten das bisher beste Auftaktquartal in der Firmengeschichte.

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