Hauptversammlung
Vodafone wehrt Rebellen ab

Arun Sarin, Chef des weltgrößten Mobilfunkers Vodafone, hat mit Hilfe seiner Aktionäre vorerst einen Angriff aggressiver Investoren abgewehrt. Der seit Monaten unter Druck stehende Manager erhielt auf der Hauptversammlung Rückendeckung für die umstrittene Strategie des Konzerns. Noch wollen sich die Rebellen unter den Anteilseignern aber nicht geschlagen geben.

LONDON. 90 Prozent der Aktionäre stimmten am gestrigen Dienstag gegen den Vorstoß der kleinen Investmentgesellschaft Efficient Capitals Structures (ECS), die Vodafone zum Verkauf der 45-Prozent-Beteiligung am US-Mobilfunker Verizon Wireless und zu Milliardenausschüttungen zwingen wollte. Die Rebellen halten lediglich 0,0004 Prozent an Vodafone. Hinter ECS steht vor allem der ehemalige Vize-Chef des Telekomkonzerns Marconi, John Mayo. Mayo und seine Mitstreiter sind unzufrieden mit der Kursentwicklung der Vodafone-Aktie, die in den vergangenen fünf Jahren deutlich schlechter abschnitt als der britische Leitindex FTSE-100.

In diesem Jahr läuft die Verkaufsoption von Vodafone für das Mobilfunk-Joint-Venture mit dem US-Konzen Verizon aus. Die Briten haben seit 2000 die Möglichkeit ihren Anteil den Amerikanern zum Kauf anzudienen. Stichtag für die „put option“ ist der 9. August. Doch bislang hält Vodafone an seinem Engagement fest, auch wenn Sarin im Vorfeld des Aktionärstreffens signalisiert hat, dass der Konzern seine Optionen bezüglich der Minderheitsbeteiligung an Verizon Wireless regelmäßig überprüfe.

Für die Unzufriedenheit von ECS mit der Verizon-Beteiligung gibt es vor allem drei Gründe: Als Minderheitsaktionär können die Briten ihren US-Anteil nicht in der Bilanz konsolidieren; ohne die unternehmerische Führung können sie nur schwer Synergien erzielen und Verizon Wireless zahlt schon seit 2005 keine Dividende mehr, und das soll bis 2009 so bleiben – der US-Konzern will mit dem Geld lieber seine Schulden abtragen.

Die Rebellen räumten bereits vor der Hauptversammlung ein, dass sie für ihre Vorschläge keine Mehrheit zusammenbekommen würden. Aber sie sicherten sich die Unterstützung wichtiger Aktionäre. Darunter sollen sich nach Informationen aus Finanzkreisen, die Fondsgesellschaften Jupiter und Invesco befinden, dazu kommen der mächtige kalifornische Pensionsfonds Calpers und die französische Bank Calyon. Schon auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr rebellierten rund zehn Prozent der Aktionäre gegen Sarin und auch damals ging es bereits um die Zukunft der US-Beteiligung.

ECS will sich denn auch trotz der Abstimmungsniederlage noch nicht geschlagen geben und prognostizierte im Anschluss an die Hauptversammlung, dass sich innerhalb eines Jahres bei Verizon Wireless etwas tun werde. Andernfalls drohe eine Revolte der Aktionäre und eine außerordentliche Hauptversammlung.

Sarin versucht mit einem Vorstoß in wachstumsstarke Schwellenländer seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die in der vergangenen Woche vorgelegten Quartalszahlen belegen, dass sich etablierte und weitgehend gesättigte Märkte wie Deutschland und Italien weiter schwach entwickeln. Wohin gegen Länder wie Indien oder die Türkei im zurückliegenden Quartal Umsatzzuwächse von 50 und 30 Prozent erreichten.

Diese Märkte sorgten dafür, dass die Gesamtzahl der Vodafone Kunden im Konzern um rund neun Millionen auf nun 232 Millionen angestiegen ist. Der Gesamtumsatz des Mobilfunkers kletterte um 7,5 Prozent auf 8,3 Mrd. Pfund.

Riese unter Druck

Unterdurchschnittlich: In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie von Vodafone zwar knapp 30 Prozent an Wert gewonnen. Doch damit schnitt der Mobilfunker deutlich schwächer ab als der britische Leitindex FTSE-100, der knapp 45 Prozent zulegte.

Dauerdruck: Vodafone-Chef Arun Sarin steht unter enormem Druck. Obwohl es ihm gelang, die Bilanz zu bereinigen und die Umsätze durch Investitionen in wachstumsstarken Schwellenländern zu stabilisieren, musste Vodafone im zurückliegenden Geschäftsjahr 4,8 Mrd. Pfund Verlust verkraften.

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