Henri-Nannen-Preis
"Spiegel"-Redakteur muss Auszeichnung wieder abgeben

Selten ist die Vergabe des Henri-Nannen-Preises für Reportage so in die Kritik geraten. Jetzt hat die Jury die Ehrung für den „Spiegel“-Redakteur Pfister zurückgezogen. Denn er war nicht an dem Ort, den er beschreibt.
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HamburgDie Jury des Henri-Nannen-Preises hat dem Spiegel-Redakteur René Pfister den Preis in der Königsklasse Reportage aberkannt. Dies teilte das Gremium am Montagabend mit. Pfister hatte die Auszeichnung am Freitag für seinen Artikel mit dem Titel „Am Stellpult“ erhalten. Darin porträtiert er den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) am Pult seiner Modelleisenbahn. Er war an dem Ort selbst allerdings nicht gewesen.

„Die Glaubwürdigkeit einer Reportage erfordert aber, dass erkennbar ist, ob Schilderungen durch die eigene Beobachtung des Verfassers zustande gekommen sind, oder sich auf eine andere Quelle stützen, die dann benannt werden muss“, heißt es in einer Erklärung, die die Jury veröffentlichte.

Das Gremium betonte aber, dass es keinen Zweifel an der Korrektheit von Pfisters Fakten habe. „Von einer „Fälschung“ kann keine Rede sein.“ Der Journalist selbst hatte bei der Gala am Freitagabend in Hamburg auf die Frage der Moderatorin erzählt, dass er den Keller und die Modelleisenbahn nie persönlich gesehen hatte.

Wie die dpa aus der Jury erfuhr, hatte Pfister vor der Entscheidung keine Gelegenheit, inhaltlich dazu Stellung zu nehmen. Der „Spiegel“ reagierte mit Unverständnis auf diese Entscheidung. Es widerspreche den Regeln der Fairness, den Autor nicht selbst anzuhören.

Pfister hatte in seiner Geschichte nicht ausdrücklich deutlich gemacht, dass er den Keller nicht betreten hatte. Er behauptete im Text aber auch nicht, dass er selbst dort gewesen sei.

Nach kritischen Stimmen zur Vergabe des Reportagepreises hatte sich die elfköpfige Jury am Montag nach Informationen des „Hamburger Abendblatts“ in einer Telefonkonferenz beraten. Nur der Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Kurt Kister, fehlte nach Informationen der Zeitung. Er habe zuvor seinen Mit-Juroren eine Erklärung zukommen lassen, in der er sich gegen eine Aberkennung ausgesprochen habe. Neben ihm votierten danach „Geo“-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede, „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher und „Spiegel“-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron dagegen. Doch die Mehrheit stimmte anders.

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