Hoffen auf eine Konsolidierung der Branche
Chipfirmen bleiben skeptisch

Die Lage in der angeschlagenen Speicherchip-Branche verbessert sich, doch das Wachstum kehrt viel langsamer zurück als das in früheren Aufschwungphasen der Chip-Industrie üblich war.

MÜNCHEN. „Es geht nur in ganz kleinen Schritten nach oben“, warnte der Chef des Taiwaner Chipproduzenten Nanya, Jih Lien, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Nanya gehört zu den weltweit größten Speicherchip-Produzenten.

In den vergangenen zwei Jahren haben fast alle großen Hersteller so genannter DRAMs (Dynamic Random Access Memory) tief rote Zahlen geschrieben. Die Münchener Infineon Technologies AG musste Milliarden-Verluste hinnehmen. Seit einigen Wochen sind die Preise jedoch erstmals wieder auf ein Niveau geklettert, das die Produktionskosten übersteigt.

An einen nachhaltigen Aufschwung mag in der Branche aber noch niemand so recht glauben. Der Grund: Bislang wird die Erholung hauptsächlich durch Computerverkäufe an Privatleute getragen. Das wichtige Firmenkundengeschäft dagegen lahmt weiterhin. Die Personalcomputer-Industrie ist der mit Abstand wichtigste Abnehmer von DRAMs.

Yuan-Mou Su, verantwortlich für das DRAM-Geschäft des Taiwaner Chipproduzenten Winbond, will deshalb keine Entwarnung geben. „Es gibt noch keine Anzeichen, dass die Unternehmen wieder stärker in neue Computer investieren. Das ist aber entscheidend für einen Aufschwung im Speicherchip-Geschäft.“ Der Taiwaner Manager sieht allerdings gute Chancen, dass sich die Situation in nächster Zeit verbessert, wenn sich auch die allgemeine Lage der Wirtschaft aufhellt. Die Börsen würden diese Entwicklung derzeit bereits vorweg nehmen.

Analysten teilen die zurückhaltende Einschätzung der Halbleiter-Industrie. So rechnet die Hypo-Vereinsbank damit, dass der DRAM-Markt im laufenden Jahr lediglich um 2 % zulegt.

Wegen der gestiegenen Preise erwarten aber sowohl Nanya und Winbond, wie auch Infineon, dass sie in diesem Quartal mit ihren Speicherchips wieder Geld verdienen. Infineon liegt weltweit auf Rang drei der Branche. Erst für 2004 geht Winbond-Manager Su davon aus, dass sich die Lage deutlich verbessert. Su: „Viele Firmen müssen dann in Computer investieren, weil sie zum letzten Mal 1999 neue Geräte gekauft haben.“

Die Speicherchip-Branche verlässt sich aber aber nicht allein auf eine höhere Nachfrage. Beobachter erwarten, dass in Zukunft zudem Kapazitäten abgebaut werden. So hat Winbond angekündigt, in einigen Jahren aus dem Massenmarkt für DRAMs auszusteigen. Schon jetzt stützen sich die Taiwaner auf Produktions-Technologie von Infineon, um die eigenen Forschungsausgaben zu begrenzen.

Damit aber noch nicht genug. Nanya-Chef Lien prognostiziert ein regelrechtes Firmensterben: „In den nächsten Jahren wird die Zahl der Wettbewerber drastisch sinken. Das wird zu langfristig vernünftigen Preisen führen.“

Davon ist auch Karlheinz Horninger überzeugt, Chef der im Bau befindlichen Taiwaner Chipfabrik Inotera, eines Joint-Ventures von Nanya und Infineon: „Bei wenigen Spielern ist die Chance viel geringer, dass einer zu Dumping-Preisen anbietet.“ In sieben, acht Jahren werde es in der Branche nicht mehr als fünf Wettbewerber geben, betont Lien. Heute sind es noch ein Dutzend Unternehmen, die sich den etwa 15 Mrd. $ umfassenden DRAM-Markt teilen.

Vor allem dem hoch verschuldeten süd-koreanischen Konzern Hynix werfen die Wettbewerber vor, mit Billig-Chips die Preise kaputt zu machen. Lien erwartet, dass das schwer angeschlagene Unternehmen langfristig zu Grunde geht: „Die sind nicht länger wettbewerbsfähig.“

Mit der Chipfabrik Promos steht nach Ansicht von Branchenexperten eine weitere Firma vor dem Aus. Vergangenes Jahr hat Infineon das Joint-Venture in Taiwan im Streit mit dem Miteigentümer Mosel Vitelic verlassen. Jetzt fehlt Promos das Geld für Investitionen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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