Holtzbrinck-Brüder im Interview
„In bewährten Familienhänden“

Dieter von Holtzbrinck erwirbt zum 1. Juni über die von ihm gegründete Familiengesellschaft Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH die Verlagsgruppe Handelsblatt und die Berliner-Tagesspiegel-Gruppe zu je 100 Prozent sowie eine 50-Prozent-Beteiligung am Hamburger Zeit-Verlag. Durch den Kauf werden die Verbindlichkeiten getilgt, die beim Ausscheiden Dieter von Holtzbrincks aus der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck 2006 vereinbart wurden. Im Handelsblatt-Interview erläutern die Holtzbrinck-Brüder ihre Pläne.

Frage: Sie geben die Verlagsgruppe Handelsblatt, die „Zeit“ und den „Tagesspiegel“ an Ihren Bruder Dieter von Holtzbrinck ab. Warum trennen Sie sich von Ihren Qualitätsmedien?

Stefan von Holtzbrinck: Das ist kein Abschied von den Qualitätsmedien. Auch unsere Regionalzeitungen, die Buchverlage, die Zeitschrift „Scientific American“ oder die Publikationen der Nature-Gruppe stehen für höchste Qualität.

Trotzdem waren die „Zeit“, das Handelsblatt und der „Tagesspiegel“ bisher Flaggschiffe Ihres Unternehmens in Deutschland.

Stefan von Holtzbrinck: Ich fühle mich diesen drei Medienhäusern sehr verbunden. Bei der jetzt getroffenen, wohlüberlegten Lösung erweitern wir einerseits den Spielraum für die Verlagsgruppe und sichern zugleich die Zukunft und die journalistische Qualität von „Tagesspiegel“, „Wirtschaftswoche“, „Zeit“ und Handelsblatt, indem wir sie langfristig in bewährten Familienhänden belassen.

Müssen Sie Teile Ihres Unternehmens abgeben wegen der Anzeigenkrise? Zwingen Ihre Kreditgeber, die Banken, Sie zum Verkauf Ihres Tafelsilbers?

Stefan von Holtzbrinck: Davon kann keine Rede sein. Wir hatten ein gutes Jahr 2008 mit 7,5 Prozent organischem Wachstum. Unter Einbeziehung ungünstiger Wechselkurs- und kleinerer Portfolioeffekte stieg der Umsatz auf über 2,5 Mrd. Euro.

Wird es denn nicht enger für die Verlagsgruppe?

Stefan von Holtzbrinck: Wir haben im letzten Jahr aufgrund der Wirtschaftskrise, die alle Unternehmen trifft, hohe Wertberichtigungen auf Forderungen vorgenommen und bereits umfangreiche Vorsorgemaßnahmen für dieses Jahr getroffen. Diese machen 35 Mio. Euro aus und sind bereits im Jahresabschluss verkraftet. Unser vorläufiges Ebitda für 2008 beträgt 165 Mio. Euro. Das ist eine stabile Basis für ein schwieriges Jahr 2009.

Haben Sie sich nicht mit hohen Internet-Investitionen in den letzten Jahren verhoben?

Stefan von Holtzbrinck: Nein, wir sind im letzten Jahr trotz vielfältiger Herausforderungen mit unseren Internetmedien um 42 Prozent auf 250 Mio. Euro gewachsen. Unsere wesentlichen strategischen Beteiligungen, zu denen StudiVZ, Parship, myPhotobook und andere gehören, schreiben zusammengenommen schwarze Zahlen.

Aber Ihr Vorsteuergewinn ist 2008 massiv gesunken im Vergleich zum Vorjahr. Reicht das, um Ihre Kreditgeber zu befriedigen?

Stefan von Holtzbrinck: Wir achten immer darauf, dass auch in schwierigen Zeiten unser Handlungsspielraum groß genug bleibt. Wie gesagt, unser Geschäftsergebnis ist im Vergleich zum Rekordjahr 2007 zwar gesunken, lässt sich aber im Branchenvergleich durchaus sehen. In dieses Jahr sind wir recht gut gestartet, wenn man die schwierigen Rahmenbedingungen berücksichtigt.

Haben die verbleibenden Regionalzeitungen eine langfristige Zukunft in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck? Wollen Sie eher verkaufen oder zukaufen bei den Regionalzeitungen?

Stefan von Holtzbrinck: Im Rahmen des sich abzeichnenden Konsolidierungsprozesses halten wir unsere Augen offen und prüfen alle Optionen. Nicht zuletzt hängen diese davon ab, was das Kartellamt in Deutschland ermöglicht. Im Übrigen geht unsere regionale Medienhaus-Strategie gut auf. Bei einem Wachstum von über vier Prozent 2008 tragen die Regionalzeitungen wesentlich zu den soliden Ergebnissen bei.

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