Im Umbruch
US-Printmedien: Kleiner, schicker, teurer

Jahrelang hat die US-Printbranche versucht, über Preissenkungen die Auflage zu steigern. Zuletzt zahlten zum Beispiel Abonnenten der "Newsweek" nur noch 47 Cent für eine Ausgabe. Nun vollzieht sich ein Wandel, aus purer Not. Wer noch agieren kann, versucht sich neu zu erfinden.

NEW YORK. Die "Newsweek" verabschiedet sich aus dem Massenmarkt der politischen Nachrichtenmagazine und begegnet der Krise mit einem grundlegend veränderten Geschäftsmodell: Die Auflage des defizitären Wochentitels wird freiwillig um fast die Hälfte auf 1,5 Millionen Exemplare gekappt, der Abonnenten-Preis dafür annähernd verdoppelt, und "News" finden Leser vom nächsten Heft an allenfalls noch im Firmennamen. Wo bisher weitgehend die Nachrichten der Woche vertieft wurden, erhalten Kommentare und Kolumnen künftig eine eigene, großzügig gestaltete Rubrik. "Die Tage des klassischen Nachrichtenmagazins sind vorbei - leider", sagte Newsweek-Geschäftsführer Tom Ascheim im Gespräch mit dem Handelsblatt. Immer mehr Menschen fühlten sich von einer Informationsflut mit zu vielen Daten und zu vielen Webseiten überwältigt. Daraus resultiere ein geradezu obsessives Bedürfnis zu wissen: Wie geht es weiter? Die defizitäre "Newsweek" müsse deshalb ihre DNA verändern, betonte Ascheim, um Kernleser zu binden und zu einem tragfähigen Geschäftsmodell zurückzufinden. Dabei folgt das Magazin dem Branchentrend, Kunden stärker zur Kasse zu bitten. Das soll die Abhängigkeit vom Anzeigenmarkt verringern. Ascheim: "Der Verbraucher zahlt anstandslos bis zu 1 000 Dollar pro Jahr für Kabelfernsehen. Wenn wir Magazine weiterhin fast umsonst anbieten, sind wir bald alle aus dem Geschäft."

Mit radikalen Preissenkungen hat die US-Branche jahrelang versucht, ihre Auflage zu steigern und damit Anzeigenkunden zu beeindrucken. Das Resultat 2009 liest sich fatal: Abonnenten zahlten für eine Ausgabe der "Newsweek" zuletzt gerade noch 47 Cents und damit etwa den halben Preis einer US-Briefmarke. Von diesem Erlös beschäftigt das Magazin Reporter, die in Krisengebieten wie Afghanistan ihr Leben riskieren. Es leistet sich einen Chefredakteur und Historiker wie John Beacham, der für seine Biografie des siebten US-Präsidenten Andrew Jackson gerade mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Die verbliebenen 400 Mitarbeiter (von einst 570) schauen frustriert dabei zu, wie die Anzeigenumsätze purzeln und den Druck auf die Kosten erhöhen.

Der Umbau der "Newsweek", der zu jährlichen Einsparungen von 25 Mill. Dollar bei Druck- und Vetriebskosten führen soll, ist bezeichnend für den Wandel der US-Printmedien. Es ist ein Wandel aus purer Not. Eine Serie von Zeitungspleiten hat den führenden Medienmarkt der Welt in den vergangenen Monaten aufgeschreckt. Einige große Regionalblätter, etwa in Denver und Seattle, mussten den Kampf gegen Anzeigeneinbruch, Leserschwund und Internet-Konkurrenz entnervt aufgeben. Flaggschiffe wie die "New York Times" kämpfen gegen bedrohlich wachsende Verluste an. Auch im Magazinbereich kriselt es: Der Verlag Condé Nast stellt mit der aktuellen Mai-Ausgabe seinen ambitionierten Wirtschafts-Titel "Portfolio" ein, in dessen Aufbau er nach Branchenschätzungen mehr als 100 Mill. Dollar gesteckt hat. Das Wochenmagazin "U.S. News and World Report", seit 1933 eine Institution an den Kiosks, hat sich weitgehend ins Internet verabschiedet.

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