Index-Veröffentlichungen
Reuters informiert Kunden nicht mehr bevorzugt

Die Umfrage zur US-Verbraucherstimmung wird Reuters nicht mehr an zahlende Kunden bevorzugt senden. Ein New Yorker Staatsanwalt hatte die übliche Praxis als Unterwanderung des Fair Plays an den Märkten bezeichnet.
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New YorkDer Nachrichten- und Informationsanbieter Thomson Reuters will eine weithin beachtete Umfrage zur US-Verbraucherstimmung zunächst nicht mehr mit einem Zeitvorsprung an extra zahlende Kunden schicken. Das Unternehmen kündigte am Montag eine Aussetzung der umstrittenen Praxis an, bei der Kunden gegen Gebühr zwei Sekunden vor den übrigen Reuters-Kunden informiert werden. Thomson Reuters erstellt die Umfrage gemeinsam mit der Universität Michigan. Der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman untersucht derzeit das Vorgehen und hatte eine Aussetzung gefordert. Er erklärte, die frühzeitige Bekanntgabe von marktbewegenden Umfragen unterlaufe das Fair Play an den Märkten. Die Untersuchung werde gleichwohl fortgesetzt.

Thomson-Reuters-Sprecher Lemuel Brewster sagte, Daten zunächst an Entgelt zahlende Kunden zu geben, sei eine weithin akzeptierte Praxis. Thomson Reuters gehe fest davon aus, dass Nachrichten- und Informationskonzerne Daten und exklusive Nachrichten, die nicht von der Regierung stammten, legal an extra zahlende Kunden weitergeben dürften. Es sei schließlich bekannt, dass solche Unternehmen im Wettbewerb um exklusive Nachrichten stünden, um ihren Kunden zu helfen, bei Handels- und Investitionsentscheidungen besser informiert zu sein.

Nach Angaben eines mit der Sache vertrauten Insiders ist Schneiderman vor allem besorgt, dass wenige, ausgewählte Kunden die Daten aus dem Index, der zweimal pro Monat erhoben wird, gegen Zahlung von 6000 Dollar zwei Sekunden vor den anderen Reuters-Kunden erhalten. Diese anderen Kunden wiederum erhalten die Daten fünf Minuten vor der breiten Öffentlichkeit. Auch dieses Vorgehen untersuche der Staatsanwalt, sagte der Insider.

Ob der Staatsanwalt sich auch andere Unternehmen der Branche wegen ähnlicher Praktiken anschaut, wollte der Insider nicht sagen. Eine abgestufte Weitergabe ist auch bei anderen Medienkonzernen oder Banken üblich, die Ergebnisse eigener Umfragen veröffentlichen.

Die Untersuchung Schneidermans war durch Medienberichte über frühzeitige Veröffentlichungen und die Klage eines ehemaligen Mitarbeiters von Thomson Reuters ins Rollen gekommen. Der Mitarbeiter hatte erklärt, ihm sei gekündigt worden, nachdem er sich mit einem Hinweis über mutmaßlich rechtswidrige Veröffentlichungspraktiken von Thomson Reuters an die Bundespolizei FBI gewandt und dies auch dem Unternehmen mitgeteilt hatte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wie sehr sich Reuters von seinen geschaetzten Wurzeln entfernt hat, zeigt nicht nur die Veroeffentlichung von Kommentaren (vor 30 Jahren waren sogar Interview als "Meinung" untersagt), sonder auch das juengste Beispiel oben. Damals, so 1850, in Aachen wurden die Reuterkunden fuer Boersennotierungen, die per Brieftaube einflogen, in einen Raum geschlossen und erst wieder entlassen, nachdem alle Kurse verlesen worden waren...Das waren gute Zeiten.

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