Infineon
Deutsche Wertarbeit für China

Wo Menschen von sommerlicher Hitze geplagt werden, ist es schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Ein probates Hilfsmittel ist hier die Klimaanlage, in China aber sprengt der Einsatz dieser und anderer Geräte längst die Kapazitäten der Stromversorger – ein Punkt, an dem der deutsche Halbleiterhersteller Infineon ins Spiel kommt.

SCHANGHAI. Schon nach wenigen Minuten im Freien kleben den Menschen in Schanghai die Kleider am Körper. Im Sommer steigen die Temperaturen in der chinesischen Wirtschaftsmetropole nicht selten auf 40 Grad, dazu kommt eine drückend feuchte Luft. Wer immer es sich leisten kann, der lässt die Klimaanlage auf Hochtouren laufen und vermeidet jeden Gang vor die Tür.

Auch in der schmucklosen weißen Chinazentrale von Infineon im Zhangjiang Hi-Tech Park am Stadtrand von Schanghai sorgen große Kühlaggregate dafür, dass die Thermometer nicht mehr als angenehme 24 Grad anzeigen. Gut für den Manager David Lee – er braucht einen kühlen Kopf, denn in seinem Büro geht es um Aufträge über viele Millionen Dollar.

Die Geschäfte des Managers des Münchener Chipherstellers Infineon laufen ausgezeichnet, denn Lee hat Produkte im Angebot, die die Chinesen gut gebrauchen können: Halbleiter, die dafür sorgen, dass elektrische Geräte wie Klimaanlagen weniger Strom verbrauchen. Für China ist Stromsparen eine Frage des Überlebens, denn schon lange stoßen die Kraftwerke an ihre Grenzen. Weil immer mehr Fabriken gebaut und jede Minute neue Klimaanlagen angeschlossen werden, geht den Netzen mitunter einfach der Saft aus.

„Zum Teil können wir gar nicht so viel liefern wie gebraucht wird“, freut sich der gebürtige Singapurer. Seit zwölf Jahren arbeitet der Ingenieur schon für deutsche Firmen, erst für Siemens, seit der Abspaltung des Halbleitergeschäfts für Infineon. Noch nie hat ihm der Job aber so viel Spaß gemacht wie in diesen Tagen. Denn er erlebt hautnah, wie die Chips von Infineon massenhaft in das tägliche Leben der Chinesen Einzug halten.

Beispiel Elektrofahrräder. Für viele Millionen Menschen in der Volksrepublik sind die Räder mit den kleinen Motoren der erste Beweis ihres wirtschaftlichen Aufstiegs. Dazu kommt, dass sie das Leben angenehmer machen. Denn es ist keine Freude, in der Hitze und dem Smog von Millionenstädten wie Schanghai in die Pedale zu treten. Die so genannten E-Bikes dagegen nehmen ihren Besitzern die körperliche Anstrengung zum größten Teil ab und sind damit den in Deutschland bekannten Mofas ähnlich.

Mit den neuen Chips von Infineon halten die Batterien wesentlich länger als bisher. 40 Kilometer kann ein 100 Kilo schwerer Radfahrer mit einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern zurücklegen, versichert Infineon. Das ist schneller als mancher Autofahrer, der in den notorischen Staus steckt. Das Herz der Technik sind so genannte Mikrocontroller, die den Motor so steuern, dass er möglichst wenig Strom schluckt. In jedem zehnten neuen Elektrofahrrad steckt bereits eines der kleinen, elektronischen Bauteile von Infineon – und wenn es nach David Lee geht, dann wird der Anteil noch deutlich steigen.

Es sind aber nicht nur die Chips für Elektrofahrräder, die den Chinesen das Leben leichter machen. Auch in Millionen Reiskocher werden die Halbleiter der Münchener eingebaut. „Die Chinesen beginnen, sich für Qualität zu interessieren“, begründet Infineon-Manager Lee die gute Auftragslage. Dann fügt er hinzu: „Made in Germany ist in jedem Fall ein gutes Verkaufsargument.“ In den Reiskochern steuern die Halbleiter die Temperatur so, dass der Reis nicht anbrennt – und das Gerät gleichzeitig weniger Strom verbraucht als ältere Apparate.

So ganz stimmt der Slogan „Made in Germany“ allerdings nicht, auch wenn David Lee gerne damit wirbt. Denn schon lange beschäftigt Europas zweitgrößter Chipkonzern ein ganzes Heer von Entwicklern in China. Schließlich wissen die Leute vor Ort ganz genau, wie der Reis schmecken muss und woran es bei bisherigen Elektro-Fahrrädern gemangelt hat.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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