Inside: AMD
In der Kostenfalle

Monopole sind eine üble Sache. Das zeigt die Chipindustrie, oder besser der ewige Wettstreit des Goliath Intel und des Davids AMD. Wer im Chipgeschäft die klare Marktführerschaft erreicht hat, kann diese über Jahre verteidigen. Das muss der kleinere Herausforderer AMD dieser Tage bitter erfahren.

FRANKFURT. Monopole behindern nicht nur eine freie Preisbindung. Es ist in der Regel auch schwer, sie wieder los zu werden. Das zeigt der ewige Wettstreit zwischen Intel und AMD. Es ist ein Beispiel, wie es besser in keinem Lehrbuch hätte dargestellt werden können. Da ist zunächst das Geschäft. Halbleiter zu entwickeln, dauert nicht nur lange, es erfordert auch erhebliche Vorleistungen. Nur finanzstarke Unternehmen können sich das auf Dauer leisten, einen kleinen Hersteller haut der Flop eines neuen Produktes sofort aus den Socken. Damit ist das Chipgeschäft vom Grundsatz her das, was Experten ein natürliches Monopol nennen. Wer hier einmal die klare Marktführerschaft erreicht hat, kann diese mit Hilfe seiner Reserven über Jahre verteidigen.

Das muss der kleinere Herausforderer AMD dieser Tage bitter erfahren. Dessen Aufholjagd sah eigentlich ganz proper aus. Das Intel-Management fühlte sich zu sicher, glaubte an den ewig währenden Hunger nach mehr Leistung und sonst nichts. Ein Irrglaube, wie sich herausstellte. Plötzlich waren da Themen wie Hitzeentwicklung oder Stromverbrauch – eine Lücke, die AMD geschickt nutzte.

Mit neuen Prozessoren, die weniger Strom verbrauchten und lange nicht so heiß wurden, punktete das Unternehmen. Vor allem im Server-Bereich – also den größeren Netzwerkrechnern – konnte David Goliath immer mehr Kunden abspenstig machen.

Doch manchmal bleibt eine Legende eine Legende, gewinnt am Ende doch der Stärkere und Größere. Seit einigen Monaten gilt wieder die alte Hackordnung, hergestellt durch Intel mit eben jenen Mitteln des Marktführers. Zunächst zwang Intel AMD in einen gnadenlosen Preiskampf, der für den Kleineren der beiden stets kräftezehrender ist. Die Folgen sind klar zu erkennen. Seit drei Quartalen schreibt AMD wieder rote Zahlen.

Dann startete Intel-Chef Paul Otellini eine knallharte Innovationsoffensive. Mit viel Geld und Manpower holte er den technologischen Rückstand zum kleineren Rivalen auf, der angesichts der ausbleibenden Gewinne kaum noch Schritt halten kann. Während Intel seinen neuen Server-Prozessor mit vier Rechenkernen längst auf den Markt hat, kommt das Pendant von AMD mit Verspätung erst in den nächsten Tagen, genauer am 10. September, auf den Markt.

AMD steckt in der Kostenfalle. Will das Unternehmen den Kapitalmarkt nicht weiter enttäuschen, muss das Management an der Kostenschraube drehen. Geschieht das, stehen Investments in moderne und effizientere Produktionshallen, vor allem aber in neue Technologien auf dem Spiel. Das wiederum gibt dem Erzrivalen Intel Zeit und Gelegenheit, einmal mehr an AMD vorbeizuziehen.

So bleibt eigentlich nur noch ein Strohhalm, an den sich AMD klammern kann: die Tatsache, dass ausgerechnet Intel am Überleben des kleinen Herausforderers das größte Interesse haben sollte. Stirbt dieser nämlich, stünde Intel vor derselben Situation wie einst der US-Telekomriese AT&T: das absolute Monopol. Die Zerschlagung wäre die unaufhaltsame Folge. Erleichterung schafft diese Hoffnung aber nicht.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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